Konzert Andrea Lang

Andrea Lang (Sopran) und Claire Pasquier (Piano)
Sonntag, 30. Oktober 2011
19:00, Evangelisch-Reformierte Kirche

Aufführende

Die Schweizer Sopranistin Andrea Lang absolvierte ihr Gesangsstudium an der Hochschule der Künste Berlin bei Frau Prof. Ingrid Figur und bestand das Konzertexamen 1999 "mit Auszeichnung". Während eines festen Engagements am Landestheater Linz war sie in den Jahren 2000 bis 2003 erstmals in zahlreichen wichtigen Partien ihres Fachs zu hören. Rege Opern- und Konzerttätigkeit führen die Künstlerin seitdem ins In- und Ausland. Zur ihren bisher bedeutendsten Engagements zählen unter anderem Auftritte in der Berliner Philharmonie, im Wiener Konzerthaus, im Brucknerhaus Linz, im Grossen Festspielhaus Bregenz, in der Tonhalle Zürich, beim Ravinia Festival Chicaco, beim Lucerne Festival, beim Brucknerfest Linz, bei der World Expo 05 in Aichi/Japan und bei den ersten St. Galler Festspielen 2006. In den beiden folgenden Jahren war sie Ensemblemitglied am Theater St. Gallen.

Begleitet wird Andrea Lang von Claire Pasquier am Klavier. Die beiden haben 2009 eine gemeinsame CD unter dem Titel "Liebesode" herausgebracht.

-> www.andrealang.ch

Andrea Lang - Liebesoden


Programm

Johann Sebastian Bach (1685-1750) Goldberg Variationen – Air, Variationen 1-3

Reynaldo Hahn (1874-1947) A Chloris

Henry Purcell (1659-1695) I attempt from Love’s sickness / Sweeter than Roses

Franz Schubert (1797-1828) Impromptu Nr. / Du bist die Ruh

Robert Schumann (1810-1856) Widmung / Die Blume der Ergebung

Frederic Chopin (1810-1849) Nocturne Op. 9 – Nr. 1

Johannes Brahms (1833-1897) Meine Liebe ist grün

Edvard Grieg (1843-1907) Jeg elsker dig / Der Traum

Maurice Ravel (1875-1937) Sonatine – II. Mouvement de menuet

Henri Duparc (1848-1933) Chanson triste

Gabriel Fauré (1845-1924) Après un rève / Fleur j’etée

Bericht Appenzeller Zeitung

Subtil gestaltete Liedkunst und expressives Klavierspiel erlebte ein aufmerksames Publikum am Sonntagabend bei einem Liederabend, den die Schweizer Sopranistin Andrea Lang und die englischstämmige Pianistin Claire Pasquier im Rahmen der traditionellen «Konzerte in Rehetobel» in der reformierten Kirche gaben.
Das Programm bot unter dem Motto «Liebesode» einen Blumenstrauss ausgewählter, überwiegend romantischer Liebeslieder namhafter Komponisten aus mehreren Epochen und Ländern. Bereichert wurde das Lieder-Rezital durch delikate Klaviervorträge.

Künstlerischer Genuss
Die optimal harmonierenden Interpretinnen gestalteten das Konzert mit Engagement und Hingabe zu einem künstlerischen Genuss. Dabei lösten sie die diffizile Aufgabe überzeugend, die vokalen Perlen und auch die instrumentalen Gustostücke aus Stilepochen vom Barock bis zur Spätromantik mit viel Einfühlungsvermögen und reifer Musikalität authentisch und subtil zu interpretieren.
Andrea Lang erwies sich als ausdrucksstarke Sängerin mit einer klaren, wohlklingenden Sopranstimme mit einer variablen Ausdruckspalette. Ihr expressiver Liedvortrag beeindruckte durch nuancenreiche Textgestaltung und eine dynamische Bandbreite, die vom schwebenden Pianissimo bis zum fülligen Klang reichte. Bemerkenswert auch, dass die Sopranistin das anspruchsvolle Programm komplett auswendig sang und Spannung und Konzentration durchhielt. Mit der versierten Pianistin Claire Pasquier hatte sie eine einfühlsame Partnerin, mit der sie nahtlos korrespondierte. Diese setzte auch entsprechende pianistische Akzente, sorgte für eine farbenreiche Klanggebung und unterstrich bei der Mitgestaltung der romantischen Liedvorträge mit gefühlvollem Anschlag das Essenzielle von Seelenstimmungen und Naturvorgängen. Besonders hervorgehoben seien die spieltechnische Souveränität und die Effizienz, mit der die Pianistin ihre Konzertstücke vortrug.

Interessantes Programm
Die Programmfolge – in Dreier-Liederblöcke gegliedert – leitete die Pianistin mit den ersten drei Goldberg-Variationen von J. S. Bach (1685–1750) ideal ein und liess dabei die kunstvolle Polyphonie der Barockmusik in glasklarer Transparenz aufleuchten. Nach dem elegisch schlichten Liebeslied «A Chloris» von Reynaldo Hahn (1874–1947) beeindruckten zwei Lieder des Engländers Henry Purcell (1659–1695) – besonders das freudige «Sweeter than Roses» – durch gefällige Melodik und reiche, perlende Koloraturen. Beim träumerischen «Impromptu» Nr. 3 von Franz Schubert (1797–1828), das in romantische Tiefen führte, schwebte die innige Melodie stimmungsvoll über der raunenden Begleitung. Auch das prägnante Schubert-Lied «Du bist die Ruh» sowie die einfühlsame «Widmung» («Du meine Seele, Du mein Herz») und das träumerisch- sehnsuchtsvolle Liebeslied «Die Blume der Ergebung» von Robert Schumann (1810–1856) entführten die Zuhö- rerinnen und Zuhörer in die Welt der Hochromantik mit ihrer musikalischen Phantasie und emotionalen Poesie. Die Sopranistin liess dabei ihre schöne Stimme mit feinem lyrischem Gefühl erblühen, ihre Partnerin unterstützte sie mit musikalischem Esprit, ohne die Klangbalance zu verlieren.
Ein Gustostück eleganter romantischer Klaviermusik war das bravourös gespielte «Nocturne», op. 9 – Nr. 1 von Frédéric Chopin (1810–1849). Der Überschwang der Liebesgefühle widerspiegelte sich besonders beeindruckend bei den leidenschaftlich vorgetragenen Frühlings- und Liebesliedern von Joh. Brahms (1833–1897) und Edvard Grieg (1843–1907).
Das jubelnde «Meine Liebe ist grün wie der Fliederbusch» kontrastierte reizvoll mit dem klangvollen «Jeg elsker dig» («Ich liebe dich») und dem liebesseligen, überschäumenden «Mich liebte eine blonde Maid» des norwegischen Komponisten. Schillernde und wechselnde farbige Stimmungen zauberte Claire Pasquier bei der feinfühligen Interpretation einer exquisiten «Sonatine» von Maurice Ravel (1875–1937) in den intimen Kirchenraum, ehe Andrea Lang mit Hingabe und Intensität beim elegischen «Chanson triste» von Henri Duparc (1848–1933) und zwei Liedern von Gabriel Fauré (1845–1924) einen abschliessenden Höhepunkt setzte. Für den überaus herzlichen Beifall bedankten sich die Künstlerinnen mit zwei hochkarätigen Zugaben von Sergej Rachmaninow und Richard Strauss.

(Ferdinand Ortner, Appenzeller Zeitung vom 2. November 2011)

Bild: Ferdinand Ortner

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