Oboentrio

Oboentrio
30. Mai 2010
17:00, Evangelisch-Reformierte Kirche

Aufführende

Andrea Bischoff
Barbara Zumthurm-Nünlist
Nancy Andelfinger
spiele auf Oboen und Englischhorn

Andrea Bischoff
Lehr -und Orchesterdiplom bei Louise Pellerin in Zürich, Konzertdiplom und Solistendiplom mit Auszeichnung an der Musikhochschule in Freiburg im Breisgau bei Heinz Holliger. Verschiedene solistische und kammermusikalische Auftritte. Bis 1997 Solo-Oboistin im Schweizer Jugend Sinfonieorchester, seit 1997 Solo-Oboistin im Luzerner Sinfonieorchester. 2005 Gründung der „la banda ANTIX“. Mitglied bei den Zuger Kammersolisten. Seit 2004 intensive Beschäftigung mit Barockoboe.

Barbara Zumthurm-Nünlist
Erster Oboenunterricht mit 13 Jahren bei Gunard Mattes und Simon Fuchs. Mit 17 Jahren Beginn des Musikstudiums am Konservatorium Luzern bei Kurt Meier. 1995 Lehrdiplom. Weitere Studien bei Louise Pellerin, Zürich und Heinz Holliger an der Musikhochschule Freiburg i.B. (Konzertreife). Abschluss 1999 mit Auszeichnung. Mehrfache Trägerin des Studienpreises für Musik des Migros-Genossenschaftsbundes resp. der Ernst Göhner Stiftung, Preisträgerin der Marianne und Curt Dienemann Stiftung. Solo-Oboistin der basel sinfonietta, Mitglied im Bach Ensemble Luzern .Zuzügerin des Luzerner Sinfonieorchesters, des Collegium Musicum Luzern sowie des Concertino Basel.

Nancy Andelfinger
1983 in Frankreich geboren. Hat mit Oboenunterricht an der Musikschule von Aix-en-Provence angefangen und 1999 ihr erstes Diplom in Oboe und für Kammermusik abgeschlossen. Sie hat ihr Studium in Paris bei Jean-Claude Jaboulay weitergeführt. 2003 schloss sie mit dem ersten Preis „à l'unanimité de hautbois en niveau supérieur“ ab. 2004 führte sie ihr Studium an der Musikhochschule von Genf bei Roland Perrenoud weiter. Zurzeit macht sie ein Postgradestudium mit Maurice Bourgue in Genf. Nancy Andelfinger ist Zuzügerin in folgenden Orchestern: Orchestre de la Suisse Romande, Capitole de Toulouse, Opéra de Lyon, Orchester der Oper Zürich. Seit 2008 hat sie eine feste Stelle als Oboistin und Englischhornistin im Luzerner Sinfonieorchester.

Programm

Ludwig van Beethoven - Variationen über „là ci darem la mano“ (aus Mozarts Oper Don Giovanni)
Isang Yun - aus „vier Inventionen“: Harmony
Georg Philipp Telemann - Fantasie
Isang Yun - aus „vier Inventionen“: Vorschläge
Joseph Triebensee - Trio für zwei Oboen und Englischhorn
Benjamin Britten - aus den Metamorphosen: Pan, Bacchus, Narcissus
Carl Philipp Emanuel Bach - Sonate in g-moll
Isang Yun - aus „vier Inventionen“: Glissando
Ludwig van Beethoven - Trio C-Dur op. 87

Bericht "Appenzeller Zeitung"

Oboentrio serviert Delikatessen
Ein Hörgenuss für Musikästheten war am Sonntagnachmittag in der reformierten Kirche der Auftritt, den die Oboistinnen Andrea Bischoff, Barbara Zumthurm-Nünlist und Nancy Andelfinger im Rahmen der «Konzerte in Rehetobel» gaben.
Rehetobel. Die exzellenten Musikerinnen – erfolgreich tätig unter anderem in bekannten Schweizer Sinfonieorchestern und Kammermusikensembles – boten ein hochinteressantes Programm mit delikater Kammermusik-Literatur aus dem 18. bis ins 20. Jahrhundert. Eingerahmt von klassischen Beethoven-Kompositionen konnte sich das aufmerksame Publikum an einem bunten Strauss musikalischer Kostbarkeiten aus dem Barock, der höfischen Musik und der neueren Zeit erfreuen.

Kompetente Interpretinnen
Andrea Bischoff und Barbara Zumthurm-Nünlist (Oboen und Englischhorn) sowie Nancy Andelfinger (Oboe) überzeugten solistisch wie im Duett und Terzett durch Engagement, dezente Spielkultur und musikalische Gestaltungskraft. Delikat waren die feinsinnige Tongebung sowie Effizienz und Spontaneität im Vortrag. Die drei Künstlerinnen boten eine beeindruckende Demonstration der vielfältigen Ausdruckspalette ihrer diffizilen Instrumente. Wir erlebten das begeisternde Musizieren von Könnerinnen, die Spielfreude und Harmonie verströmten. Kein Wunder, dass sie beim Publikum voll ankamen.

Hervorragende Soli
Unbeschwerten Wohlklang vermittelte das Trio zum Auftakt mit Beethovens kunstvollen «Variationen in C-Dur» für zwei Oboen und Englischhorn über das berühmte «Reich mir die Hand mein Leben» aus Mozarts Oper «Don Giovanni» – polyphone Kostbarkeiten galanter romantischer Spielmusik. Aus einer für uns exotisch anmutenden «Musikwelt» stammten drei exklusive Kompositionen für zwei Oboen aus den vier «Inventionen» des in Deutschland lebenden Südkoreaners Isang Yun (1917–1995). Als eigenwilliger Komponist verschmolz er in seiner Musik Östliches mit Westlichem und entwickelte im Streben nach Harmonie und Frieden einen einzigartigen persönlichen Stil mit interessanten Tonentwicklungen und Klangaussagen, was von den Interpretinnen und dem Publikum viel Sensibilität abverlangte.
Besonders beeindruckend waren die Soli der Oboistinnen. Andrea Bischoff brillierte mit wunderschönen Kantilenen, perlenden Läufen und spannungsvoller Gestaltung beim Vortrag der farbigen «8. Phantasie in e-Moll» von Georg Philipp Telemann (1681– 1767), einem genialen Meister der Barockmusik. Musikalische Gustostücke servierte Barbara Zumthurm-Nünlist mit den drei auswendig gespielten «Metamorphosen» Pan, Narcissus und Bacchus des Engländers Benjamin Britten (1913–1976). Bemerkenswert waren das Einfühlungsvermögen, die saubere Technik und die Phrasierungskunst.
Eine Aufführung aus einem Guss gelang Nancy Andelfinger bei der anspruchsvollen «Sonate in g-Moll» von Carl Philipp Emanuel Bach (1714–1788), wobei besonders Ausdruck und Virtuosität überzeugten. Homogenes Ensemblespiel und spieltechnische Perfektion demonstrierten die optimal aufeinander eingestimmten Instrumentalistinnen bei einem melodiösen «Trio» des böhmischen Kapellmeisters und Oboisten Joseph Triebensee (1772–1846) und dem figurenreichen «Trio in C-Dur», op. 87 von Ludwig van Beethoven.

Krönender Schlusspunkt
Dieses mitreissend musizierte viersätzige Opus – der krönende Schlusspunkt des Konzertes – bestach durch seinen bezaubernden, serenadenhaft beschwingten Charakter und die originelle Farbigkeit der Sätze: aus der Volksmusik schöpfend das heitere «Allegro», ein Ohrenschmaus das liedhafte «Adagio», tänzerisch bewegt das «Menuetto» und effektvoll das virtuose Presto-Finale. Der Beifall war überaus herzlich.

(Ferdinand Ortner, Appenzeller Zeitung vom 2. Juni 2010)

Lesegesellschaft Dorf, 9038 Rehetobel, michael@mrkunz.ch