Kammerensemble

Streichquartett des St. Galler Kammerensembles spielt Mozart und Haydn
30. Oktober 2009
19:30, Evangelisch-Reformierte Kirche

Aufführende

Renate Steinmann, Violine
Nach ihren Studienabschlüssen in Violine und Viola an der Hochschule Zürich Winterthur bei Nora Chastain und Wendy Champney widmete sich Renate Steinmann intensiv der historischen Aufführungspraxis. Sie besuchte Meisterkurse bei John Holloway, Thomas Hengelbrock u.a.m. Als Konzertmeisterin engagiert sie sich in verschiedenen Formationen, u. a. in der Zusammenarbeit mit Rudolf Lutz im st.galler kammerensemble sowie im neu gegründeten Zürcher Barockorchester.

Christine Baumann, Violine
Christine Baumann studierte Violine in St. Gallen bei Robert Bokor und an der Musikhochschule Luzern bei Ina Dimitrova, wo sie im Sommer 2007 mit dem Konzertdiplom abschloss. Parallel dazu besuchte sie Kurse in historischer Aufführungspraxis bei Brian Dean, Monika Bär und John Holloway. Sie ergänzt nun ihre Ausbildung mit Unterricht in Barockvioline bei Dorothee Mühleisen (Konstanz). Neben ihrer eigenen Unterrichtstätigkeit wirkt Christine Baumann in verschiedenen Kammermusikformationen mit. Sie ist u. a. Konzertmeisterin des Appenzeller Kammerorchesters.

Susanna Hefti, Viola
Bereits während ihren Studien an der Hochschule Zürich bei Christoph Schiller setzte Susanna Hefti ihren Schwerpunkt auf die historische Aufführungspraxis sowie zeitgenössische Musik. Sie gehört zu den führenden Schweizer Bratschistinnen und konzertiert regelmässig mit verschiedenen Formationen, so u. a. im Orchester La Scintilla des Opernhauses Zürich. Seit mehreren Jahren ist sie die Stimmführerin im st.galler kammerensemble und hat in dieser Zeit das Orchester massgebend in der historischen Aufführungspraxis geprägt.

Maya Amrein, Violoncello
Maya Amrein wuchs in Zug auf und erlangte in Winterthur und Bern Lehrdiplom und Konzertreife. Danach studierte sie Barockcello an der Schola Cantorum Basiliensis bei Christophe Coin. Meisterkurse bei Jaapter Linden und John Holloway ergänzten ihre Ausbildung. Maya Amrein kann eine vielfältige Konzerttätigkeit im In- und Ausland unter anderem bei Le Concert des Nations (Jordi Savall), Cantus Coelln (Konrad Junghänel) und Ensemble seconda pratica der Bach Stiftung St. Gallen ausweisen.

Programm

Joseph Haydn (1732-1809) - Streichquartett op. 33 No 5 in G
* Vivace assai
* Largo e cantabile
* Scherzo Allegro
* Finale Allegretto

Wolfgang A. Mozart (1756-1791) - Streichquartett KV 421 in d
* Allegro moderato
* Andante
* Menuetto
* Allegretto ma non troppo

Bericht "Appenzeller Zeitung"

Klangsinnlich und ausdrucksstark
Das Streichquartett des St. Galler Kammerensembles beeindruckte in der reformierten Kirche in Rehetobel mit Meisterwerken von Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart

Beim dritten und abschliessenden Event der Veranstaltungsreihe «Konzerte in Rehetobel 2009» sorgte das ausschliesslich aus Musikerinnen bestehende Streichquartett des St. Galler Kammerensembles mit einem klassischen Programm unter dem Motto «Haydn und Mozart – eine Freundschaft» für einen stimmungsvollen Abend. Mit der Aufführung eines Haydn-Streichquartetts wurde speziell diesem grossen Komponisten im 200. Todesjahr besondere Reverenz erwiesen.

Facettenreich
Es war erfreulich, mit welch Engagement, musikalischer Kompetenz und Ausdrucksvielfalt die profilierten Instrumentalistinnen die klangschönen klassischen Werke lebendig und subtil gestalteten. Beeindruckend das Ausleuchten der facettenreichen Musik sowie die Leichtigkeit und Transparenz des Vortrages. Wesentliche musikalisch-solistische Akzente setzten vor allem die souveräne Primgeigerin Renate Steinmann und die Cellistin Maya Amrein. Als ebenbürtige und einfühlsame Partnerinnen überzeugten Christine Baumann (2. Violine) und nicht zuletzt die Bratschistin Susanna Hefti. Sie trugen wesentlich zur klanglichen Brillanz und Homogenität des Ensemblespiels bei. Die zwei präsentierten Streichquartette waren mit Bedacht ausgewählt. Sie sind Zeugnis der Freundschaft und gegenseitigen Wertschätzung der beiden Meisterkomponisten Haydn und Mozart. Das Haydn-Streichquartett op. 33, Nr. 5, G-Dur, regte einst Mozart zu einer tiefen Auseinandersetzung mit den Werken seines väterlichen Freundes an. Er schuf epochale Quartett-Kompositionen, die er Haydn widmete. Zu diesen sechs sogenannten «Haydn-Quartetten» Mozarts zählt auch das Streichquartett d-Moll (KV 421), das den Konzertabend krönte.

Heitere Melodik
Schon beim eröffnenden «Vivace assai» des Haydn-Streichquartetts, einem kontrastierenden und von prägnant-kurzen Einfällen und heiterer Melodik übersprudelnden Sonatensatz, beeindruckte das homogen musizierende St. Galler Quartett mit transparentem Spiel und lebendigem Vortrag. Einen besonderen Reiz verströmte das innige «Largo e cantabile». Umrahmt von einem düsteren Unisono, entwickelte sich aus dem pathetischen Kopfmotiv heraus ein wunderschöner Gesang, den Renate Steinmann – dezent assistiert von ihren Partnerinnen – mit wohlklingendem Geigenton gefühlvoll zelebrierte. Im übermütigen «Scherzo» mit den wilden Ausbrüchen und plötzlichen Pausen bildete das sanftere Trio einen schlichten Kontrast. Spannungsvoll musiziert wurde das «Finale Allegretto», ein kompositorisch interessanter Variationensatz, der Vorbild für die Variationen im folgenden Mozart-Streichquartett wurde.

Emotionales Opus
Hohe musikalische Anforderungen an das Ensemble stellte Mozarts von Emotionalität und Expressivität sprühendes d-Moll-Streichquartett, das in seiner elegischen Grundstimmung zum heiteren Haydn-Opus einen reizvollen Kontrast bildete. Der durch diffizile Motivik und teils auch von Dissonanzen geprägte Kopfsatz wurde vom St. Galler Quartett ausdrucksstark dargeboten. Das polyphone Stimmengewebe erschien sehr transparent. Das liedhafte «Andante» gelang in seiner schlichten Schönheit klangsinnig und gefühlvoll. Beim leichtfüssigen «Menuetto» kontrastierte das charakteristische Motiv das wienerisch serenadenhafte Trio mit dem gefälligen Violinsolo über der zarten Pizzicato-Begleitung. Im finalen «Allegretto ma non troppo», einem lebhaften Variationen-Satz mit einem etwas überraschenden D-Dur-Schluss, kehrte die Emotionalität des Kopfsatzes zurück. Der Beifall war so herzlich und andauernd, dass er mit einem Dacapo des Menuetts von Joseph Haydn belohnt wurde.

(Appenzeller Zeitung, 1. November 2009 / Autor: Ferdinand Ortner)

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