Appenzeller Kammerorchester

Appenzeller Kammerorchester
23. August 2009
18:00, Evangelisch-Reformierte Kirche

Aufführende

Anna Tika
Anna Tyka studierte an der Chopin Akademie in Warschau und an der Staatlichen Hochschule für Musik in Mannheim und schloss ihre Studien mit dem Lehr- und Solistendiplom ab. Sie gewann verschiedene Preise, u.a. beim Internationalen Witold Lutoslawski Wettbewerb in Warschau 1997 und beim Internationalen Alexander Tansman Wettbewerb in Lodz im Jahre 2000. Als Solistin spielte sie u.a. mit der Philharmonie Breslau (Haydn D-Dur Konzert), dem Sinfonieorchester St. Gallen und der Südwestdeutschen Philharmonie (Beethoven Tripelkonzert op. 56). Ausserdem tritt sie regelmässig als Kammermusikerin in verschiedenen Besetzungen auf. Seit 2000 ist Anna Tyka 1. Solocellistin beim Sinfonieorchester St. Gallen.

Appenzeller Kammerorchester

Das Appenzeller Kammerorchester entstand aus dem Zusammenschluss des Herisauer und des Mittelländer Orchesters und ist das einzige Orchester im Appenzellerland. Es hat sich mit Konzertprogrammen abseits des gängigen Repertoires, auch in Verbindung mit literarischen Texten, einen guten Ruf erworben. Im vergangenen Jahr spielte es beispielsweise Werke mit Bezug zum Orpheus Mythos unter dem programmatischen Titel „Que farò senz’ Euridice“, in der Karwoche dieses Jahres Pergolesi’s Stabat Mater mit Texten von Luise Rinser. Die Pflege der Barockmusik und die Beschäftigung mit historisch fundierter Aufführungspraxis ist seit einigen Jahren eines der Ziele des Orchesters; seit 2008 spielen alle Mitglieder dank der finanziellen Unterstützung durch die Fred-Styger-Stiftung mit Barockbögen (in diesem Programm bei Purcell).

Jürg Surber (Leitung)
Christine Baumann (Konzertmeisterin)
Werner Meier (Stimmführung, Violine II)
Rolf Weiss, Marianne Gilgen, Katharina Kern, Marian Winiger, Regula Rohner, Patrizia Koller, Regina Vogel,
Ursula Eugster, Vreni Tarantino, Susanna Dübendorfer, Patrick Droz, Barbara Herzer, Regula Menges (Violine)
Erwin Sager (Stimmführung Viola)
Ruth Stern, Eva Geisser, Katharina Merian, Sara Kehl (Viola)
Hannegret Näf (Stimmführung Violoncello)
Steffi Sierra, Marc Fahrni, Esther Städler, Livia Koller (Violoncello)
Margreth Manser (Kontrabass)
Annamarie Weber (Cembalo)
Martina Jucker (Flöte I), Karin Christen (Flöte II)
Hanspeter Schlapp (Oboe I), Evelyn Kläusler (Oboe II)
Charly Baur (Klarinette I), Katrin Jucker (Klarinette II)
Heini Weber (Fagott I), Peter Ettlinger (Fagott II)
Daniel Gschwend (Horn I), Julia Eugster (Horn II)

www.kammerorchester-ar.ch


Programm

Ein unterhaltsames Konzertprogramm für einen lauen Sommerabend gefällig? Zur Eröffnung ein „Sommernachtstraum“ in barocker Manier: Unterhaltungsmusik des 17. Jahrhunderts im eleganten Gewand höfischer Suitensätze, komponiert vom Engländer Purcell, dessen Geburtstag sich zum 350. Male jährt. Als Zwischenaktmusik zu Shakespeares Sommernachtstraum wurde diese Musik wohl eher beiläufig konsumiert als konzentriert und aufmerksam angehört. Das Spiel von Kobolden und Feen in einer Phantasiewelt faszinierte die Menschen damals und konnte einen Barockkomponisten wie Purcell zu einer farbigen, klanglich differenzierten und leichtfüssigen Musik anregen.

Aus dem barocken, noch stark als Spielball verschiedener Mächte funktionierenden Menschen, entwickelt sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts der aufgeklärte Mensch, geprägt durch Descartes’ Leitsatz cogito, ergo sum. Repräsentiert wird diese „neue Welt“ in unserem Programm durch Joseph Haydn und dessen berühmtes Cellokonzert D-Dur. Dialog, Gespräch, Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Standpunkten und Ideen prägen nicht nur das Denken, sondern auch die Musik. Zwei gegensätzliche Themen bestimmen den gross angelegten Kopfsatz des Konzertes, wobei das Soloinstrument in einen intensiven Dialog mit dem Orchester tritt. Selbstbewusst, virtuos entfaltet es neue Klangräume, die bisher dem Cello vorenthalten gewesen waren. Im Mittelsatz zeigt sich die lyrische Seite des Cellos, während im verspielten Rondo Leichtigkeit der Dur-Teile und Ernsthaftigkeit des Mollteiles sich die Waage halten. In der Literatur für Solocello gilt das Konzert als Meilenstein und Meisterwerk und ist eines der meistgespielten Konzerte überhaupt.

Doch zurück zur Sommernacht: Der gleiche Shakespeare 200 Jahre später in Mendelssohns Zwischenaktmusik, die heute meist rein konzertant und nicht in Verbindung mit der literarischen Vorlage gespielt wird. Als Folgeerscheinung der Rationalität klassischen Denkens sucht der romantische Künstler nach Ausdruck von Empfindungen und Emotionen, nach übersinnlichen, märchenhaften Bildern, nach Leidenschaft, Traum bis hin zum Unendlichen, Unaussprechlichen. Die Nacht, das Dunkle, Dämonische zieht ihn an, und so bekommt Shakespeares Märchenwelt eine neue Aktualität, die allerdings musikalisch tiefgründig, geheimnisvoll und melancholisch ausgedeutet wird. Die Welt muss romantisiert werden! (NOVALIS 1798)

Mit der Pavane „Couleur du temps“ erklingt das Märchenhafte im Klangbild des 20. Jahrhunderts. Der Schweizer Komponist Frank Martin liess sich inspirieren vom Märchen „Eselshaut“, in dem ein Mädchen von einer Fee reich beschenkt wird und sich ein Kleid in seiner Lieblingsfarbe „couleur du temps“ wünscht. Die Musik ist gemässigt modern; spätromantische und impressionistische Anklänge verbinden sich zum letztlich eigenständigen Personalstil Martin’s. Das Stück klingt aus mit einem schwebenden, sphärischen Klang, der zum Traum überleitet. Träumerei, Rêverie – wer weiss, ob wir Sie als Publikum zum Träumen bringen?

Lesegesellschaft Dorf, 9038 Rehetobel, michael@mrkunz.ch