Bratsche und Klavier

Musik für Bratsche und Klavier
3. Juli 2009
19:00, Evangelisch-Reformierte Kirche

Aufführende

Regula Sager
ist in St. Gallen aufgewachsen. Ihren ersten Geigenunterricht erhielt sie bei Susanne Hasler, Susanne Frank und später bei Professor Peter Mezger. Von 1992 bis 1996 studierte sie Viola bei Wendy Champney an der Musikhochschule Winterthur, wo sie das Orchester- und Lerndipolm ablegte. Ihr Studium von 1997 bis 2000 an der Folkwang-Hochschule in Essen unter Sven Tepl beendete Regula Sager mit dem Konzertexamen. In Streichtrio-Besetzung studierte sie in Essen bei Vladimir Mendelsohn und Andreas Reiner. Sie besuchte Meisterkurse bei Paul Coletti, dem Carmina Quartett, Bruno Giuranna und Hariolf Schlichtig.
Bis 1996 war sie Stimmführerin im St. Galler Kammerensemble. Von 1997 bis 2002 war sie Mitglied der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein. Danach hat sie Jahresverträge beim Gürzenich Orchester Köln und beim Beethoven Orchester der Stadt Bonn. Konzertreisen führten sie in viele Länder Europas, Südkorea und nach Mittel- und Südamerika.
Zur Zeit ist Regula Sager im Gürzenich Orchester Köln engagiert. Daneben unterrichtet sie an einer Musikschule in Köln und spielt in verschiedenen Kammermusikformationen.

Elena Kassmann
wurde 1976 in Plovdiv, Bulgarien, geboren. Ihren ersten Klavierunterricht erhielt sie im Alter von vier Jahren. Mit elf Jahren folgte der erste Auftritt mit Orchester und im bulgarischen Nationalradio. In den Jahren 1995 bis 2000 studierte sie an der Staatlichen Musikakademie in Sofia unter Anton Dikov. Von 2001 bis 2004 absolvierte sie in den USA das „Master of music" Studium unter der Leitung von Neil Larrabee, des ersten amerikanischen Pianisten, der in Moskau studieren konnte.
Elena Kassmann gewann Preise auf nationaler Ebene in Bulgarien und beim internationalen Wettbewerb „The music and the earth". 2001-2004 war Elena Kaßmann Empfängerin des E.B.Storrs Scholarship. Im Frühjahr 2005 erschien eine CD-Einspielung zeitgenössischer Kammermusik von ihr zusammen mit Jim Ackley, dem vormaligen Solo-Trompeter des kolumbischen National-Symphonieorchesters. Sie gab Konzerte in Bulgarien, Mazedonien, Italien, den USA und in Deutschland, wo sie seit 2004 lebt.

Bericht "Appenzeller Zeitung"

Impressionistische Klänge - Regula Sager (Bratsche) und Elena Kassmann (Klavier) brachten „Klang- und Farbkunst“ in die Rehetobler Kirche. Im Mittelpunkt des Programms stand Schumann.
Rehetobel. Das mit dem Titel „Impressionistische Klänge um Schumann“ überschriebene Programm des zweiten Anlasses im laufenden Jahreszyklus der Rehetobler Konzerte führt gedanklich in die Kunstgattung der Malerei. „Impression“ nannte Claude Monet 1872 seinen berühmt gewordenen „Soleil levant – Sonnenaufgang“. Die Plein-air-Maler um Monet übernahmen diesen von einem zeitgenössischen Kritiker sarkastisch verwendeten Begriff, sich damit bekennend für ihre Kunst, mit welcher sie – ausserhalb des Ateliers en plein air – den vergänglichen Augenblick zur Darstellung brachten.

Klang- und Farbkunst
Als Musik des Impressionismus wird jene Stilrichtung bezeichnet, die am Ende des 19. Jahrhunderts, zeitgleich mit der Malerei, vor allem durch den französischen Komponisten Claude Debussy (1862–1918) geprägt wurde. Für ihn war Musik „Klang- und Farbkunst“.
Brillant, virtuos in der Beherrschung der Instrumente und mit überwältigendem Gestaltungsvermögen führten uns die beiden preisgekrönten Musikerinnen, die St. Gallerin Regula Sager (Bratsche) und die in Deutschland lebende Bulgarin Elena Kassmann (Klavier) durch das hohen Genuss bietende Programm.
Allein schon mit der Auswahl der Komponisten, die Schumanns Werke umrahmten, ist den beiden Künstlerinnen ein musikgeschichtliches Meisterwerk gelungen. Alle zur Aufführung gelangten Werke liessen beispielhaft in den musikalischen Impressionismus hinein hören, wobei die Parallele zur Malerei jener Zeitepoche verständlich wurde: Gabriel Fauré (1845–1924), Lehrer des wegen seines Boléro bekannteren Maurice Ravel (1875–1937) mit „Berceuse op. 16“. Das Wiegenlied hatte sich in der Instrumentalmusik des 19. Jahrhunderts zu einer eigenständigen Musikform entwickelt und war – wie der Komponist Fauré selber – in der romantischen Tradition. Damit wurde stilharmonisch zum grossartigen Werk von Robert Schumann (1810–1856), Märchenbilder, op. 113 übergeführt, einer wunderschönen, romantischen Musik, in welcher sich der warme, elegische Klang der Bratsche und das virtuos, fein differenziert gespielte Klavier zu einem traumhaften Genuss ergänzten.
Im letzten Satz, „langsam, mit melancholischem Ausdruck“, entführten die beiden Musikerinnen in gewissermassen entmaterialisierte, musikalische Sphären. Eigentlich fehlen für die Beschreibung von solchem Erleben einfach Worte.

Vier Gesichter
Davor auf dem Programm standen Eugène Yssaye (1858–1931) mit seinem Rève d'enfant op. 14 und Darius Milhaud (1892–1974), in Frankreich und den USA wirkend, mit dem witzig-heiteren „Quatre Visages“, darin musikalisch vier Gesichter von Damen aus der Neuen (La Californienne und The Wisconsonian) und der Alten Welt (La Bruxelloise, La Parisienne) charakterisierend.
Nach der Pause folgte das zweite grosse Schumann-Werk, Fantasiestücke, op. 73. Beide zur Aufführung gelangten Werke schuf Schumann in seiner fruchtbarsten Düsseldorfer Schaffensperiode. Den Abschluss des Programmes bildete die Sonate 1919 der Engländerin Rebecca Clarke (1886–1979). Als Schülerin von Debussy erlangte sie mit dieser für einen Wettbewerb komponierten Sonate über Nacht Berühmtheit.
Mit langanhaltendem, kräftigem Applaus bedankte sich das begeisterte Publikum für das grossartige musikalische Geschenk der beiden Künstlerinnen. Dem Abend den Akzent stilistischer Vollkommenheit verleihend, spielten die Künstlerinnen als Dreingabe ein Lied von Claude Debussy.

(Appenzeller Zeitung vom 8. Juli 2009 / Arthur Sturzenegger)

Lesegesellschaft Dorf, 9038 Rehetobel, michael@mrkunz.ch