Weihnachtsoratorium

Bach Weihnachtsoratorium mit
App. Kammerorchester und Chor Wald
Sonntag, 10. Dezember 2017,
19:30, evang.-ref. Kirche

Artikel Appenzellerzeitung

«Frieden auf Erden»
Der Gemischte Chor Wald, Solisten und das Appenzeller Kammerorchester erfreuten mit der Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Bach.
Für Freunde qualitätsvoller Sakralmusik gestaltete Jürg Surber die Aufführung des Weihnachtsoratoriums von J. S. Bach in der voll besetzten evangelischen Kirche Rehetobel zu einer besinnlichen Einstimmung in den Advent. Das populäre Oratorium führt wie kaum ein anderes Werk stimmig in das weihnachtliche Geschehen ein. Die Musik besticht durch volkstümliche Melodik und liebliche Heiterkeit. Die kunstvolle barocke Polyphonie ist sehr transparent sowie bei Chören und Orchesterparts besonders aussagekräftig.
Von den sechs Kantaten des Oratoriums wurden – wie üblich – nur die ersten drei aufgeführt: die Weihnachtsgeschichte im engeren Sinn. Da sie auch die Geschichte einer Flucht ist und die Botschaft von «Frieden auf Erden» verkündet, war es sinnvoll, Musik aus dem Orient ins Programm einzuflechten und eine musikalische Brücke zur heutigen Zeit zu schlagen. Solosängerin Maria Walpen, Martin Schuhmacher (Klarinette) und Christian Berger (arabische Laute Oud und Perkussion) beeindruckten mit Wiegenliedern sowie traditionellen Instrumentalstücken.

Überzeugende Aufführung
Dirigent Jürg Surber führte Orchester, Chor und Solisten zu einer imponierenden Gesamt-leistung auf hohem Niveau. Das als Barockorchester spielende Kammerorchester mit Konzertmeisterin Christine Baumann und der Cembalistin Marie-Louise Dähler musizierte ambitioniert. Besonders präsent waren die Bläser.
Der fast 70 Mitglieder zählende Gemischte Chor Wald gefiel besonders bei den Choralvorträgen durch ausgewogene Klangkultur, meisterte aber auch die schwierigen Fugensätze sehr respektabel. Die Gesangssolisten Suzanna Chappuis, Maria Walpen, Jens Weber und Fabrice Hayoz waren vor allem bei den koloraturenreichen Arien gefordert und sorgten für Glanzlichter.

Weihnachtsgeschichte rund um die Geburt Jesu
Schon bei der anspruchsvollen Fuge des überschwänglichen «Jauchzet, frohlocket!» bestand der klanglich homogene Chor das erste musikalische Kriterium. Der lyrische Tenor Jens Weber leitete dann als Evangelist die Weihnachtserzählung ein. Die Altistin Maria Walpen gestaltete die berühmte Arie «Bereite dich, Zion» mit Feingefühl. Der Chor liess mit dem stimmungsvollen Adventslied «Wie soll ich dich empfangen?» aufhorchen und verkündete in einem Choral die Geburt des Jesuskindes. Der Bass-Solist Fabrice Hayoz huldigte mit sonorer Stimme mit einer grossen dramatischen Arie dem «grossen Gott und starken König». Der Chor beteuerte dem Neugeborenen zärtliche Liebe.
Die zweite Kantate – die Hirtenverkündigung – leitete das Orchester mit festlicher Hirtenmu-sik ein, bei der die Engel (Streicher) und Hirten (Holzbläser) um die Wette musizierten. Die Botschaft der Engel verkündete die Sopranistin Suzanne Chappuis. Weitere solistische Highlights waren auch die Tenor-Arie «Frohe Hirten, eilt, ach eilet» und das Wiegenlied «Schlafe, mein Liebster». Den Weg der Hirten nach Bethlehem leitete das machtvolle «Herrscher des Himmels» ein, ehe Sopran und Bass in einem Duett für Gottes Erbarmen dankten. Die Sopranistin pries in einer Arie eindrucksvoll das Wunder der Geburt Jesu. Der Chor beschloss mit der Wiederholung des Eingangschores «Herrscher des Himmels» das Konzert sehr stimmungsvoll.
Nach einigen Augenblicken der Stille setzte stürmischer Beifall ein.

(Appenzeller Zeitung, 13. Dezember 2016 / Autor: Ferdinand Ortner)

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