Konzert Soos und Haag

Konzert Klavierduo Adrienne Soos und Ivo Haag
Sonntag, 23. November 2014
17:00 Uhr, Reformierte Kirche

Aufführende

Im scheinbar Altbekannten Neues entdecken, entlegene Winkel des Repertoires erkunden, dafür steht der Name Klavierduo Adrienne Soós und Ivo Haag. Ob sie sich für das Gesamtwerk von Schubert einsetzen oder verborgene Meisterwerke vor allem des 19. und frühen 20. Jahrhunderts ans Tageslicht fördern, immer steht dahinter das Bestreben, dem Publikum das Repertoire für Klavierduo in seiner ganzen Breite und Bedeutung nahezubringen. So widmen sie sich auf Ihrer
neusten CD neben der Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug vernachlässigten Werken für zwei Klaviere von Béla Bartók, die vorherige enthält das unbekannte Frühwerk von Claude Debussy.
In den rund 20 Jahren seines Bestehens hat sich das Duo als eines der führenden Kammermusikensembles der Schweiz etabliert und der Gattung Klavierduo insgesamt zu mehr Resonanz verholfen, wobei das Spiel an zwei Klavieren und das an einem Instrument zu vier Händen gleichberechtigt nebeneinander stehen. Dazu kommen regelmässige Auftritte mit Orchester und die Zusammenarbeit mit Sängern und Instrumentalisten, mit denen sie ihr Duo gelegentlich zu einer grösseren Kammermusikformation erweitern. Sie haben sich einen Namen gemacht durch ihre künstlerisch anspruchsvolle und eigenständige Programmgestaltung, die das Standard-Repertoire ebenso selbstverständlich umfasst wie interessante, zu Unrecht vergessene Werke. Im Laufe der Jahre haben sie so einen reichen Schatz an fast vergessenen Werken in Konzerten wiederaufgeführt und auf CD eingespielt. Ebenso erweitern sie das Klavierduo-Repertoire durch regelmässige Kompositionsaufträge an namhafte Komponisten wie Dieter Ammann, Rudolf Kelterborn, Krzysztof Meyer und andere. Einige dieser Auftragskompositionen sind bei etablierten Verlagen wie Bärenreiter, Ricordi, Editio Musica Budapest und PWM Edition (Krakau) erschienen.
Ihre Konzerttätigkeit führt sie an das Lucerne Festival (Sommer und Piano), an die Schubertiade Feldkirch und an die Musiktage Mondsee (künstl. Leitung: András Schiff). Das Luzerner Sinfonieorchester, das Orchester Musikkollegium Winterthur, das Sinfonieorchester St. Gallen, das Litauische Kammerorchester, das Zürcher Kammerorchester, die Camerata Bern, die Camerata Zürich und viele andere laden sie als Solisten ein und führen sie mit den Dirigenten Jac van Steen,Peter Hirsch, Howard Griffiths, Olaf Henzold, Saulius Sondeckis u.a. zusammen.
Ivo Haag ist für die Arbeit des Klavierduos mit dem Zuger Werkjahr 2008 ausgezeichnet worden. Das Duo formierte sich währende der gemeinsamen Studienjahre der beiden Pianisten an der Liszt-Akademie Budapest in den Klassen von Péter Solymos (Klavier) und Ferenc Rados (Kammermusik). Wichtige Anregungen erhielten sie ausserdem von György Kurtág und András Schiff. Die gebürtige Ungarin Adrienne Soós begann Ihre Studien bei Katalin Schweitzer am Béla-Bartók-Konservatorium ihrer Heimatstadt Budapest und beendete sie bei Tibor Hazay an der Musikhochschule Freiburg i.Br. Ivo Haag studierte ausserdem an der Musikhochschule Zürich (u.a. Liedgestaltung bei Irwin Gage) und bei der Arrau-Schülerin Edith Fischer.

www.klavierduo.ch

Zum Programm

Johannes Brahms (1833 – 1897)
Symphonie Nr. 1 c-Moll op. 68, Vierhändige Fassung von Johannes Brahms
- Un poco sostenuto – Allegro
- Andante sostenuto
- Poco allegretto e grazioso
- Adagio – Allegro non troppo, ma con brio

Franz Schubert (1797-1828)
Divertissement à l’hongroise g-Moll D 818
- Andante
- Marcia. Andante con moto
- Allegretto


Zeitungsartikel

Brillant gespielt und gefühlvoll gestaltet
Das ungarisch-schweizerische Klavierduo Adrienne Soós/Ivo Haag krönte die«Konzerte in Rehetobel 2014» mit der beeindruckenden Aufführung klassisch-romantischer Werke für Klavier vierhändig.

Rehetobel. Den Freunden klassisch-romantischer Instrumentalmusik schenkte ein renommiertes Klavierduo - die aus Ungarn stammende Pianistin Adrienne Soós und ihr Schweizer Ehemann Ivo Haag - am Sonntag in der reformierten Kirche mit der tief beeindruckenden Aufführung hochkarätiger Werke von Johannes Brahms und Franz Schubert ein begeisterndes Musikerlebnis.
Gespielt wurden die vierhändige Klavierfassung der Symphonie Nr. 1 in c-Moll, op. 68, von Brahms und Schuberts «Divertissement à l'hongroise» in g-Moll, D 818 - eine suitenähnliche Originalkomposition für Klavier vierhändig.
Beeindruckend, wie lebendig und ausdrucksstark die verschiedenartigen Konzertstücke vom subtil musizierenden Künstlerduo präsentiert wurden.
Während die Pianistin im «Primo»-Part vor allem die Melodieführung dominierte und viele solistische Akzente setzte, sorgte ihr Partner im «Secondo» souverän für eine homogene klangliche Basis und rhythmische Stabilität. Beide überzeugten als gefühlvoll gestaltende Künstler mit perfekter Spieltechnik, nahtlosem Zusammenspiel und einer nuancenreichen Ausdruckspalette. Sie sind musikalisch «ein Herz und eine Seele».

Brahms-Symphonie
Das Konzert eröffneten sie mit der 1. Brahms-Symphonie in der vierhändigen Fassung des Komponisten. Das Duo brachte den ungemein emotionalen Erlebnisgehalt und die charakteristische Chromatik des umfangreichen Kopfsatzes in den dramatischen Dialogen zu faszinierender Wirkung - beginnend in dunkler, spannungsgeladener Stimmung und fortfahrend im motivisch konkretisierten Allegro-Teil mit den leidenschaftlichen Steigerungen. Kontrastierend zur grandiosen Zerrissenheit des 1. Satzes erwiesen sich die folgenden als lyrische Ruhepunkte mit liedhafter Melodik. Das friedvolle «Andante sostenuto» verströmte wehmutsvolle Ruhe und endete romantisch verklärend. Das fröhliche «Poco allegretto e gracioso» mit dem vitalen Trio erklang heiter gelöst. Fulminant gespielt der grossartige Final-Satz - geprägt von orchestraler Chromatik und dem Ausgleich der emotionalen Kräfte. Die weit ausholende Entfaltung des klangvollen Themenkomplexes führte in ungestümer Dramatik zum jubelnden Schluss.
Schubert-Divertissement
In reizvollem Kontrast zur Brahms-Symphonie stand Schuberts virtuoses Opus «Divertissement à l'hongroise», das er im Jahre 1824 in Ungarn im Hause Eszterházy als herzerfrischende, höfische Spiel- und Hausmusik komponierte. Es war klar zu erkennen, wie er bei der Themenbehandlung und in der Rhythmik von der ungarischen Musiksprache inspiriert wurde, ohne ins Zigeunerische zu verfallen. Die drei Sätze wurden mit feinem musikalischem Gespür differenziert vorgetragen. Im pot-pourri-artigen «Andante» beeindruckten die variantenreiche elegante Melodik, die graziösen thematischen Finessen und die Zymbal-Kadenz. Wunderschön als romantisches Intermezzo zelebrierte das Pianisten-Duo den schlichten kleinen Marsch, ein Gustostück zwischen zwei reich ausgestatteten Sätzen. Einen grandiosen Höhepunkt bildete die meisterhafte Interpretation des «Rondo»-Finalsatzes. Entfesselte Tanzlust, stampfende Rhythmen sowie lyrische und kapriziöse Episoden wechselten in bunter Folge und mündeten in stürmischen Schlussbeifall, der mit der Zugabe des «Ungarischen Tanzes Nr. 5» von Brahms belohnt wurde.

(Appenzeller Zeitung, 26. November 2014 / Ferdinand Ortner)

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