Konzert Nonett

Nonett der Kammer-Solisten Zug
Freitag, 5. April 2013,
19:00 Uhr, Reformierte Kirche

Kammersolisten Zug

Aufführende

Die Kammer-Solisten Zug sind in ihrer Arbeitsweise einzigartig: Seit der Gründung des Ensembles im Jahr 1990 wird nicht nur ein Repertoire gepflegt, sondern es werden jährlich fünf neue, massgeschneiderte Programme auf höchstem Niveau einstudiert und aufgeführt. Die Repertoireliste umfasst nach mehr als 20 Jahren weit über 250 bekannte und unbekannte Werke für unterschiedlichste Besetzungen, Musik aus der Zeit des Frühbarock bis zur Moderne, mit Komponistennamen von Aho bis Zelenka, gespielt auf historischen oder modernen Instrumenten. Für die Berufsmusiker ist die Kammermusik der künstlerische Kern ihrer Arbeit in grossen Orchestern und als Lehrende an den Musikhochschulen. Spezielle Projekte sind der im April 2012 lancierte Zuger Kompositionspreis, der alle zwei Jahre vergeben wird, und in der Saison 2012/13 zwei neue, eigene Bearbeitungen für Bläseroktett von Schubert-Opern. Die Bearbeitungen für diese Besetzung haben eine lange Tradition. So wurden auch zahlreiche Werke von Mozart, Beethoven und Haydn «auf die Harmonie» gesetzt. Zudem dokumentieren zwei CDs mit Bläseroktett, gespielt auf historischen Instrumenten die Spielfreude und -qualität des Ensembles.

Besetzung
Stefan Buri, künstlerischer Leiter, Fagott
Esther Pitschen, Flöte
Andrea Bischoff, Oboe
Heinrich Mätzener, Klarinette
Hanna Rasche, Horn
Monika Baer, Violine
Ulrike Kaufmann, Viola
Christine Theus, Violoncello
Peter Kosak, Kontrabass


Kammersolisten Zug


Programm

Nino Rota (1911 – 1979)
Nonetto (1959/74/77) für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass
Allegro
Andante
Allegro con spirito
Canzone con variazioni
Vivacissimo

Josef Gabriel Rheinberger (1839 – 1901)
Nonett Es-Dur, op. 139 (1884) für Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott, Horn, Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass
Allegro
Menuetto, Andantino
Adagio molto
Finale, Allegro

Zeitungsartikel

Spielfreudiges Musizieren auf höchster Stufe

Werke von zwei weniger bekannten Komponisten und eine selten zu hörende Kammermusikformation erlebten die leider nicht sehr zahlreichen Konzertbesucher am Freitagabend in der reformierten Kirche Rehetobel.

Rehetobel.
Ein Streichquartett, in dem die zweite Geige durch einen Kontrabass ersetzt ist, ein Holzbläserquartett aus Flöte, Oboe, Klarinette und Fagott sowie als einziges Blechinstrument das Horn: Diese Kombination von Streich- und Blasinstrumenten ist von Louis Spohr (1784-1859) in seinem Nonett op. 31 erstmals verwendet und gleichsam «klassisch» geworden. Das Nonett Es-Dur, op. 139, des Liechtensteiner Komponisten Josef Gabriel Rheinberger (1839-1901) gehört neben Spohrs Werk zu den bedeutendsten Kompositionen dieser nicht sehr verbreiteten Gattung. Das «Nonetto» des vor allem als Komponist von Filmmusik bekannt gewordenen Italieners Nino Rota (1911-1979) ist demgegenüber wohl nicht als geschlossenes Werk konzipiert worden, sondern hat erst in den letzten Lebensjahren des Komponisten seine heutige fünfsätzige Form erhalten. Darauf zumindest könnten die Entstehungsdaten 1959, 1974 und 1977 hinweisen. Rotas Werk selber ist davon allerdings nichts anzumerken, und noch weniger war davon in der ungemein spielfreudigen Wiedergabe durch die Kammer-Solisten Zug zu spüren - einem in wechselnden Zusammensetzungen konzertierenden Kammermusik-Ensemble aus professionellen Orchestermusikern und Lehrenden an Musikhochschulen, unter ihnen die aus Rehetobel stammende Andrea Bischoff, Solo-Oboistin des Luzerner Sinfonieorchesters.

Leicht und schwerelos
Mit einem fröhlich beschwingten Allegro setzt das «Nonetto» ein, vielleicht die musikalische Schilderung eines Dorffestes, an dem die einen und andern bereits etwas zu tief ins Glas geschaut haben und sich mit schränzend «falschen» Hornstössen in die gross aufspielende Kapelle einmischen. Eine leicht melancholische, gelegentlich sentimentale Grundstimmung durchzieht das Andante, obwohl auch da in den Einwürfen einzelner Bläser ein leicht rebellischer Unterton mitschwingt. Der unbeschwert hüpfende Dreitakt des Allegro con spirito wird von einem getragenen Mittelteil abgelöst, kehrt aber bald danach aufstampfend zurück und überkugelt sich beinah in einem rasanten Wirbel. Canzona con variazioni ist der vierte Satz überschrieben, ein Variationensatz, der für sich allein schon einen ganzen kleinen Kosmos von Ausdrucksweisen, Stimmungen und klangmalerischen Effekten durchläuft. So etwa kommt die zweite Variation schwerschrittig daher, unterbrochen von raschem Trippeln. In der fünften Variation scheinen sich die Bläser die Töne und kleinen Figuren wie Bälle zuzuspielen, während Cello und Kontrabass mit breiten Strichen festen Grund bereiten, bevor ein vertrackter, rhythmisch pointierter Marsch die Variationenreihe beschliesst. Mit einem leichtfüssig galoppierenden Vivacissimo endet das farbige Werk.
Doch was sich so leicht und schwerelos anhört, geistreich-witzig und voller unerwarteter Wendungen, stellt an die Musikerinnen und Musiker höchste Anforderungen. Nie geht es einfach «gerade fort», irgendwo kichert immer wieder ein kleiner Fallensteller, legt ein anderer grössere und kleinere Stolpersteine in den Weg. Das Nonett der Kammer-Solisten Zug aber liess sich davon keinen Augenblick irritieren: Beeindruckend die Spielfreude, mit der es sich dem Werk hingab, der Farbenreichtum, den Streicher wie Bläser ihren Instrumenten entlockten, die Präzision, mit der die Einsätze ineinander verzahnt wurden, die Selbstverständlichkeit auch, mit der gelegentlich erwarteter Schönklang unterlaufen, bildhafte Anschaulichkeit drastisch-zugriffig geschildert wurde.

Sinfonisch anmutendes Nonett
Das zweite Werk des Abends, Rheinbergers Nonett Es-Dur, op. 139, ist in seinem kompositorischen Anspruch ungleich gewichtiger. Nach dem einleitenden Allegro, das mit seinem melodischen Reichtum und seinem warmen Grundton sommerlich anmutet, folgt - an zweiter statt wie üblich an dritter Stelle der Satzfolge - ein Menuetto, Andantino, gemessen im Rhythmus, zurückhaltender im Trio, in dem erst Cello und Bass, später Geige und Bratsche tropfende Pizzicato-Figuren einstreuen. Trotz der formalen Nähe zum «klassischen» Menuett und der davon hergeleiteten Knappheit der einzelnen Teile aber ist auch dieser hoch romantisch, sind die Motive kunstvoll und reich ineinander verwoben. Um Gleiches gilt, noch in grösseren Mass, vom anschliessenden Adagio, einem Satz pendelnd zwischen leuchtender Feierlichkeit und bisweilen fast versponnener Innigkeit, mit strahlenden Bläserpassagen, aus denen sich die Geige mit zartem, später von der hohen Holzbläsern übernommenem Singen löst. Fiebrig in höchsten Lagen über die Saiten tanzend leiten Geige und Bratsche das Allegro-Finale ein, Horn und Fagott gesellen sich mit einem weit ausladenden zweiten Thema dazu, das später vom Cello übernommen wird, überlagert von solistischen Farbtupfern und akkordischen Akzenten – ein äusserst dicht gewobener und doch stets kammermusikalisch durchsichtig bleibender Satz, der nach kurzem, beinah fragend fahlem Innehalten, in einem Accelerando-Farbwirbel ausklingt. Rheinbergers Nonett mag in seiner Vielschichtigkeit und seiner ins Grosse weisenden Anlage bereits sinfonisch anmuten – in der Interpretation der Kammer-Solisten Zug behielt es seine kammermusikalische Intimität und seine wundervolle dynamische Differenziertheit.

(Autor: Peter E Schaufelberger / Quelle: Appenzeller Zeitung, 8. April 2013)

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