Konzert Kammerorchester St. Gallen

Kammerorchester St. Gallen,
Samstag, 22. Juni 2013,
19:30, evang.-ref. Kirche

Aufführende

Das "kammerorchester sankt gallen" wurde 2011 gegründet und ist aus dem ehemaligen St. Galler Kammerensemble hervorgegangen. Es setzt sich aus motivierten, qualifizierten Laienmusikerinnen und –musikern sowie einzelnen Berufmusikerinnen und – musikern zusammen. Das orchester setzt sich zum Ziel, mit seriöser Orchesterarbeit insbesondere auch jungen Musikerinnen und Musikern einen kontinuierlichen musikalischen Aufbau und damit eine eigentliche Orchesterschulung anzubieten und die Freude am gemeinsamen Musizieren zu fördern. Neben dem Klangerlebnis für die Musizierenden möchte es den Funken des begeisternden Musizierens auch auf die Zuhörerinnen und Zuhörer überspringen lassen. Ungewöhnliche, einmalige Programme in neuen Zusammenhängen sollen überraschen, begeistern und klassische Musik lebendig und nahbar machen.

kammerorchester sankt gallen

Programm "Norden"

Lars-Erik Larsson Sinfonietta für Streichorchester op. 10
Edvard Grieg „Im Volkston“, „Kuhreigen und Bauerntanz“ aus den Norwegischen Weisen op. 63 / Holberg Suite op. 60
Jean Sibelius Ödland Schauspielmusik zu "Die Eidechse" op. 8
Lars-Erik Larsson Kleine Serenade für Streichorchester op. 12
Carl Nielsen Suite für Streichorchester a-Moll op. 1
Jean Sibelius 3 Humoresquen op. 89



Bericht Appenzeller Zeitung

Laue «Midsommar» Musik
Das St. Galler Kammerorchester unter Mathias Kleiböhmer und die Violinsolistin Heidi-Maria Makkonen spielten in Rehetobel klangschöne programmatische Musik mit nordländischem Flair

Das im Jahre 2011 gegründete St. Galler Kammerorchester und die junge finnische Violinsolistin Heidi-Maria Mak-konen gestalteten am Sonntag in der reformierten Kirche Rehetobel einen Konzertabend. Der Dirigent Mathias Kleiböhmer präsentierte unter dem Motto «Midsommar» ein von nordländischer Musik geprägtes Programm mit Werken namhafter Komponisten aus dem europäischen Norden – aus Finnland (Jan Sibelius, Einojuhani Rautavaara), Norwegen (Edvard Grieg), Schweden (Lars Erik Larsson) und Estland (Arvo Pärt).
Das durch Berufsmusikerinnen und Berufsmusiker verstärkte, engagiert musizierende Streichorchester bot eine gute Leistung mit differenziertem Vortrag, transparentem Spiel und feiner Klangkultur. Aus dem etwa 20köpfigen homogenen Klangkörper ragten vor allem die Violinsolistin Heidi-Maria Makkonen, die Konzertmeisterin Eveleen Olsen (Violine) und die Cellistin Christine Meyer hervor.
Die von der Volksmusik inspirierte typisch nordische Klangwelt beeindruckte durch die bunte Vielfalt differenzierter Stimmungsbilder, ihre subtile Emotionalität sowie die Melancholie und Poesie der Melodik. Besonders reizvoll wirkte auch die Gegenüberstellung romantischer und neoklassischer Kompositionen. Die emotional und eigenständig strukturierte Tonsprache der nordländischen Komponisten aus der zweiten Hälfte des 19. und des 20. Jahrhunderts nahm die Zuhörer von Konzertbeginn an gefangen.

Nordische Klangwelten
Stimmungsvoll eingeleitet wurde der Konzertabend mit schwedischer Serenaden-Musik, der neoklassischen kantablen «Li-ten serenad», op. 12, von Lars Erik Larsson (1908-1986), einem melodiös feinsinnig kontrastierenden Orchesterstück in fünf Sätzen. Auch bei der romantischen Volksweise «Folksvisenatt», einem melancholischen Nachtlied desselben Komponisten, beein druckte das Orchester mit sonorem Streicherklang. Bei den einfach strukturierten und sphärisch klingenden «Fratres» für Solovioline und Streichorchester des zeitgenössischen Komponisten Arvo Pärt aus Estland setzte Heidi-Marie Makkonen mit Spieltechnik und Ton solistische Highlights.

Solistische Kostbarkeiten
In diesen kontrastierenden, charmanten Solo-Paradestücken kamen die sensible Farbgebung und die schwerblütige Melodik mit den jähen Stimmungsumschwüngen sowie die eigenwillige Rhythmik - Charakteristika finnischer Volksmusik - wirkungsvoll zur Geltung. Während beim «Andantino» der «Canconetta von Kuolema» von Sibelius das romantische Streichorchester-Arrangement gefiel. Ein Glanzpunkt des Abends war das ursprünglich als Klaviersuite komponierte Orchester-Arrangement «Pelimannit-Fiddlers für Streichorchester» von Einojuhani Rautavaara, der in einem künstlerischen Naheverhältnis zu Sibelius stand. Die fünf kunstvollen Variationen alter Polka-Melodien für Geiger waren von urwüchsiger Klangsymbolik und Rhythmik geprägt. Sie faszinierten als buntes Kaleidoskop alter Volkstänze, farbiger Naturstimmungen, mystischer Sagen und Begebenheiten aus historischer Zeit.

Imponierendes Orchesterwerk
Tief beeindruckende norwegische Musik im Stile der Bach-Händel-Zeit erlebten die atemlos lauschenden Zuhörer mit der barocken Suite «Aus Holbergs Zeit». Edvard Grieg (1843-1907) hat sie als Festmusik zum 200. Geburtstag des dänisch-norwegischen Lustspieldichters Ludwig Holberg geschrieben.
Das ambitionierte St. Galler Kammerorchester erfreute mit einer lebendigen und ausdrucksstarken Aufführung der im französischen Stil komponierten sechs Sätze mit nordischem Flair und erntete – wie auch die Solistin des Abends – begeisterten Applaus.

(Autor: Ferdinand Ortner / Quelle: Appenzeller Zeitung, 26. Juni 2013)

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