Konzert Giger und Dähler

Konzert Paul Giger und Marie-Louise Dähler
Sonntag, 25. März 2012
19:00 Uhr, Reformierte Kirche

Aufführende

Marie-Louise Dähler, wuchs in einer Berner Musikerfamilie auf und begann mit fünf Jahren mit dem Cembalospiel. Sie studierte bei ihrem Vater Jörg Ewald Dähler in Bern, sowie bei Johann Sonnleitner in Zürich und legte ihre Diplome (Lehr- und Konzertdiplom) mit Auszeichnung ab. Regelmässige Auftritte als Solistin und in Kammermusikensembles mit sowohl Alter als auch neuer Musik. Sie unterrichtet an der Musikschule St. Gallen und an der PH in Rorschach.

Paul Giger, geboren und aufgewachsen in Herisau, reiste in jungen Jahren als Strassenmusiker durch Asien und absolvierte anschliessend sein Musikstudium an den Konservatorien Winterthur und Bern (Lehrdiplom bei Prof. Peter Mezger, Solistendiplom bei Ulrich Lehmann). Drei Jahre war er Konzertmeister des Sinfonieorchesters St. Gallen, seit 1983 arbeitet er freischaffend. Sein Repertoire umfasst die Violinliteratur vom Barock bis zur Moderne, weitere Schwerpunkte bilden Improvisation und eigene Kompositionen (Chor-, Orchester- und Kammermusik, als CDs bei ECM erschienen).

Die beiden Musiker spielen sein dem Jahr 2000 zusammen. 2007 erschien ihre erste gemeinsame CD „towards silence“ bei ECM. Seit kurzem wohnen die beiden in Rehetobel.

www.paul-giger.ch


Zum Programm

Die Musik von Marie-Louise Dähler und Paul Giger erzählt von ihren Wurzeln.

Von Paul Gigers Appenzellischen Wurzeln: vom Wind, den Naturwesen und Geistern des Alpsteingebirges, von obertönigen Alphornklängen, von Glockengeläut, vom Zäuerli, von Minimal-Ländler-Schlaufen die sich zu drei gleichzeitig erklingenden Ländlerlis entwickeln.

Aber auch von Marie-Louise Dählers barocken Wurzeln, die weit über die Appenzellischen Hügel hinausreichen: hin zum verehrten Meister Johann Sebastian Bach, welcher vor mehr als 250 Jahren Werke in höchster Vollendung schuf: wie die heute Abend erklingende fünfsätzige Sonate in G-Dur für Violine und obligates Cembalo. Sie entstand um 1725 als Bach Thomaskantor in Leipzig war.
Wie unser Hackbrett, so besteht auch das Cembalo im Prinzip aus über einen Resonanzkörper gespannten Saiten: hier gezupft, dort geschlagen. In einer Reminiszenz an das Hackbrett verbinden sich in der Eigenkomposition „Cemb a quattro“ quasi beide Instrumente.

Die Musik erzählt auch von tiefem Leid, von Andacht, vom Alpsegen, aber auch von ekstatischer Freude, gespielt auf der 11-saitigen Violino d`amore, übrigens mit derselben Saiten-Stimmung, wie sie in Südindien verwendet wird. Dort hat ja das Hackbrett seine Wurzeln, bevor es dann seinen Weg über den Balkan ins Appenzellerland fand.
Und wem gebührt das „Schluss-Wort“: Bach!

Zeitungsbericht

Ursprüngliche und kreative Musik
Das Künstler-Duo Paul Giger und Marie-Louise Dörig präsentieren in Rehetobel ein subtil gestaltetes Konzert. Dieses schenkt den Konzertbesucherinnen und Konzertbesuchern ein tiefes Musikerlebnis.
Wer einen konzertanten Auftritt des Künstlerduos Paul Giger (Violine, Violino d'amore) und Marie-Louise Dähler (Cembalo) besucht, erlebt etwas Besonderes, ja Einmaliges –wie das Konzert am Sonntagnachmittag als Auftakt der «Konzerte in Rehetobel 2012» einmal mehr eindrücklich bestätigte. Mit einem anspruchsvollen Programm unter dem Titel «Appenzellerland und Barock», eigenständiger Interpretationskunst und individuell geprägtem Musizierstil eröffneten die Künstler den Zuhörerinnen und Zuhörern auf verblüffende Weise eine neue Dimension des Musikverständnisses und erlebens. Dabei bediente sich das Duo, das seit zwölf Jahren zusammenspielt, über kreative Eigenkompositionen und Improvisationen der Gegenüberstellung und Verbindung ihrer Tonsprache zu Kompositionen des Barock.

Appenzeller Komponist
Die programmatisch inspirierte Musik des Appenzellers Paul Giger schöpft aus reichem persönlichen Potenzial, aus heimatlichen Wurzeln, Naturwesen, Alp- hornklängen und Ländlerweisen, während Marie-Louise Dählers barocke musikalischen Wurzeln bis zum grossen Tonschöpfer J. S. Bach hinausreichen, dessen fünfsätzige Sonate in G-Dur, BWV 1019, für Violine und Cembalo am Sonntag das Herzstück des gefühlvolldurchgestalteten, ein-stündigen Nonstop-Programms bildete. Die Besucherinnen und Besucher erlebten eine phantastische Symbiose bekannter Barockklänge mit individuell geprägter neuzeitlicher Kammermusik des Duos Giger-Dähler. Paul Gigers spontane Musik erzählte zuweilen auch von dunklen Seiten des Seins, beeindruckte aber auch in freudvollen Klängen auf der elfsaitigen Violino d'amore.

Souveränes Künstler-Duo
Die beiden Künstler gingen bei den Vorträgen sensibel aufeinander ein, überzeugten auch solistisch durch spieltechnische Souveränität und offenbarten sich im
Ausdruck als «ein Herz und eine Seele». Paul Gigers Partnerin Ma-rie-Louise Dähler bewies nicht nur in den Begleitfunktionen musikalisches Feingefühl, sondern sorgte unter anderem auch bei den fünf Sätzen der Bach-Sonate – besonders beim zentralen Cembalo-Solo im reizvollen 3. Satz – für instrumentale Highlights.
Das Konzert eröffnete der exzellente Violinist Paul Giger mit einer aus dem Nichts auftauchenden schlichten Appenzeller «Zäuerli»-Volksweise, die er mit lautmalerischen Elementen weiterentwickelte und in drei «Ländlerlis» einfliessen liess. Eingebettet in einfallsreiche Improvisationen, polyphone Dialoge und spannungsvolle Eigenkom-positionen folgten – klug verteilt – die einzelnen Sätze der Bach-Sonate, der musikalischen Basis der Vortragsfolge. Das zarte polyphone Figurenwerk um die stimmungsvolle elegische Melodik Bachs liess das Duo transparent aufleuchten und setzte es in Beziehung zur eigenen modernen Tonsprache, die Konzentration und Spannung wachhielt. Delikate Eigenkompositionen, wie Paul Gigers «Ignis» und vor allem die exklusive gemeinsame Komposition «Cemb a quatro» für Hackbrett «gezupft und geschlagen», boten spezielle Klangerlebnisse. Gefällige appenzellische Liedweisen – etwa die traditionelle Trüll-Mazurka und eine brillante Violin-Improvisation über den Alpsegen, sowie der leidenschaftlich präsentierte «Bulgarische Tanz» und die exzellent musizierten zwei letzten Sätze der Bach-Sonate, ein meditatives «Adagio» und ein rasantes «Allegro»-Finale – rundeten ein unvergessliches Konzerterlebnis ab.
Die atemlose Aufmerksamkeit und innere Teilnahme der Konzertbesucher mündete nach Au-genblicken des Innehaltens in Beifallsjubel, für den sich Paul Giger und Marie-Louise Dähler mit dem «Largo» aus der Bach-Sonate Nr. 4 in c-Moll, BWV 1017, und einem schmissigen «Wälzerli» bedankten.


(Ferdinand Ortner , Appenzeller Zeitung vom 28. März 2012)

Lesegesellschaft Dorf, 9038 Rehetobel, michael@mrkunz.ch