Film "Das Menschlein Matthias"

Film "Das Menschlein Matthias"
4. November 2001, 11:00
Kino Rosental, Heiden

Programm

Kantonsbibliothekar Mathias Weisshaupt eröffnete den Anlass mit seinen spannenden Gedanken zum Thema "Heimat". Was bedeutet Heimat, welche Facetten hat der Begriff? Er vermochte das Publikum im prallvollen Filmsaal mit einer Mischung aus Nachdenklichkeit und Humor zu packen.
Der eindrückliche Film "Das Menschlein Matthias" führte uns dann zurück in die Zeit um den Ersten Weltkrieg. Die Hauptfigur Matthias ist auf der Suche nach einem Stück Heimat.
Nach dem Film erzählte der Hauptdarsteller Episoden rund um die Entstehung des Films in den Jahren 1940 und 1941.

Zum Film

Die Grundlage zu dieser Literaturverfilmung bildet der 1914 erschienene Roman von Paul Ilg. Darin schildert Ilg seine eigene Jugend, die geprägt war von den harten Lebensbedingungen der Stickereiarbeiter jener Zeit in der Ostschweiz.
Der Film wurde zum grossen Teil an den Originalschauplätzen im Appenzellerland, in Rorschach und in den st. gallischen Stickereifabriken gedreht. Er erzählt die Jugend des unehelichen Matthias, der bei der Schwester seiner Mutter im konfliktbeladenen Wirtshaus auf dem „Gupf“ in Rehetobel aufwächst, wo die Bäuerin den Kindern die Jugend zur Hölle macht. Doch es gelingt dem Knaben, dieser Qual zu entrinnen. Nach der Flucht in die Stadt steht er unerwartet vor seiner Mutter, die beschliesst, den Buben bei seich zu behalten und an ihren Arbeitsort, in die Stickerei, mitzunehmen...

Schweiz, 1941, 87 min.
Regie: Edmund Heuberger
Buch: Stefan Markus, Edmund Heuberger, nach einem Roman von Paul Ilg
Musik: Robert Blum

Besetzung:
Leopold Biberti (Oberholzer)
Petra Marin (Brigitte Böhi)
Röbi Rapp (Matthias Böhi)
Hans Fehrmann (Angher)
Walburga Gmür (Frau Angher)
Ditta Oesch (Marie)
Sigfrit Steiner (Gemperle)
Hermann Gallinger (Stettler)

Die Grundlage zu dieser Literaturverfilmung bildet der 1914 erschienene, damals sehr populäre Roman von Paul Ilg. Darin schildert Ilg seine eigene Jugend, die geprägt war von den harten Lebensbedingungen der Stickereiarbeiter jener Zeit in der Ostschweiz.
Die im Kriegsjahr 1941 gedrehte Filmfassung „Das Menschlein Matthias“ drückt die Hoffnung auf eine bessere Zukunft aus, versucht aber in seiner exakten Milieuschilderung die Realitäten dennoch nicht zu leugnen. Der Film ist gleichermassen geprägt vom französischen Stil des poetischen Realismus, wie von den Erfahrungen aus der grossen Zeit des expressionistischen deutschen Vorkriegsfilms.
Der Film wurde zum grossen Teil an den Originalschauplätzen in Rorschach, im Appenzellerland und in den st. gallischen Stickereifabriken gedreht. Gerade die einleitenden Landschaftsaufnahmen und der Einbezug der Natur in das dramatische Filmgeschehen brauchen den Vergleich mit berühmteren Werken nicht zu scheuen.
Der Film erzählt von der Jugend des unehelichen Matthias, der bei der Schwester seiner Mutter im Konflikt beladenen Wirtshaus auf dem „Gupf“ bei Rehetobel aufwächst, wo die Bäuerin den Kindern die Jugend zur Hölle macht. Doch es gelingt dem Knaben, dieser Qual zu entrinnen.
Er flüchtet in die Stadt und steht unerwartet vor der Mutter. Sie beschliesst den Buben bei sich zu behalten und an ihren Arbeitsort, in die Stickereifabrik, mitzunehmen, wo sie die zudringlichen Blicke und das Tuscheln über ihr uneheliches Kind standhaft erträgt und sich in einem fortschreitenden Emanzipationsprozess weigert, die Werbung des Stickers Gemperle anzunehmen, nur um wieder „versorgt“ zu sein. Sigfrit Steiner spielt diesen Gemperle mit Überzeugung. Wie dieser Mann in seiner Ungelenkheit langsam resigniert und schliesslich die Stadt verlässt, ist sehr ausdrucksstark und hebt sich von anderen oft übersteigerten Volkstheaterszenen ab.
Matthias lernt in der Fabrik einen Stickereizeichner kennen, zu dem er bald Vertrauen fasst und in dem er schliesslich seinen Vater erkennt. Leopold Biberti spielt diesen charmanten Junggesellentyp mit schnoddriger Unsentimentalität.

Lesegesellschaft Dorf, 9038 Rehetobel, michael@mrkunz.ch