Ensemble "musica scapino"

Ensemble “musica scapino”
Sonntag, 2. September 2001, 17.00 Uhr
Evangelisch-Reformierte Kirche

Zeitungsbericht

Subtile venezianische Barockmusik
Das Ensemble «musica scapino» präsentierte in Rehetobel ein exquisites Programm

Mit dem vierten und letzten Event der «Konzerte in Rehetobel 2001» wurde am Sonntag in der evangelischen Kirche ein aussergewöhnlicher musikalischer Leckerbissen geboten.
Rehetobel. Das Ensemble «musica scapino» entführte die tief beeindruckten Zuhörerinnen und Zuhörer auf eine amüsante literarisch-musikalische «Reise nach Venedig». Als «Reiseleiter» las der deutsche Schauspieler Andreas Sturm aus überschwänglichen Schilderungen und Beschreibungen des englischen Pastorensohnes Thomas Coryate (1577 bis 1617). Dieser war seinerzeit in fünf Monaten zu Fuss von London nach Venedig gepilgert. In der herrlichen Lagunenstadt ergötzte er sich am bunten Leben und Treiben und bewunderte die faszinierende südliche Musik. Diese vergnüglichen, illustrierenden Texte bereicherten das farbige Kammermusikprogramm ungemein und erhoben es zu einem authentischen historischen Musikgemälde mit stimmigem Ambiente.

Historische Instrumente
Das Quintett spielte in variablen Besetzungen auf historischen Instrumenten und liess die alten Continuo-Sätze der frühbarocken italienischen Kammermusik - heute nur noch selten gehört - in reizvollen Klangfarben und -welten erblühen. Die solistischen Glanzlichter setzte vor allem die junge Flötistin, Christiane Dick, mit verschiedenen Blockflöten. Sie wurde auch von ihren einfühlsamen Partnern, Thomas Widmer (Gamben), Jonathan Rubin (Laute), Moritz Baltzer (Kontrabass) und Andreas Schweizer (Cembalo) in den stilvollen Generalbass-Sätzen optimal unterstützt. Alle Instrumentalisten bewiesen nicht nur spieltechnische Perfektion und musikalische Ausstrahlung, sondern vermittelten durch subtile Dynamik auch das typische Flair italienischer Barockmusik. Nur selten erlebt man ein solch nuancenreiches, transparentes Zusammenspiel und derart dezent gestaltetes Ausdrucksvermögen.

Optimales Programm
Die musikalische Programmfolge bot im permanenten Wechsel mit den literarischen Beiträgen eine erlesene Palette typischer Werke der venezianischen Musik des 16. bis 18. Jahrhunderts: schlichte Liebesmelodien und Canzones, stimmungsvolle Passacaglien mit Basso ostinato, leichtfüssige Tanzsätze, Theatermusik und virtuose Kammersonaten. Im Vordergrund standen die Komponisten Biagio Marini (um 1587 bis 1663), Giuseppe Sammartini (1693 bis 1751) und Arcangelo Corelli (1653 bis 1713). Musikalische Highlights waren die melodiöse «Canzo Terza» von Bartolomeo de Lema (um 1585 bis 1638), die «Passacaglio» von Marini, die «Sonata in g» von Sammartini sowie besonders der farbige Quartett-Satz der «Sonata in d» von Corelli. Sehr effektvoll (Soloflöte!) dann auch Carlo Castellos (um 1625) virtuose «Sonata quarta», mit der das Konzert unter stürmischem Beifall endete.

(Ferdinand Ortner, Appenzeller Zeitung, 5. September 2001)

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