Konzert "Schweizer Nonett"

Jubiläumskonzert mit dem Schweizer Nonett
Sonntag, 20. Mai 2001, 17.00 Uhr
Evangelisch-Reformierte Kirche

Von einem privaten Donator finanziert, ist es ein wunderschönes Jubiläumsgeschenk zum Anlasse des fünfzehnjährigen Bestehens der Institution „Konzerte in Rehetobel“, gegründet von Peter und Barbara Bischoff, Rehetobel, und seither getragen von der Lesegesellschaft Dorf und den beiden Rehetobler Kirchgemeinden. Die Aufführenden sind alle preisgekrönte Musiker internationalen Rufes.

Aufführende

Andrea Strässle-Bischoff, Oboe (in Rehetobel aufgewachsen)
Sie sei darum hier als erste erwähnt. Nach abgeschlossener Maturität hat sie das Lehr- und Orchesterdiplom bei Louise Pellerin am Konservatorium Zürich und später das Konzertdiplom „mit Auszeichnung“ bei Heinz Holliger an der Musikhochschule in Freiburg im Breisgau erhalten. Seit 1999 ist sie in der Solistenklasse von Heinz Holliger. Sie spielt solistisch und in kammermusikalischen Gruppen. Bis 1997 ist sie Solo-Oboistin im Schweizer Jugend Sinfonieorchester gewesen und seit 1997 besetzt sie diese Stelle im Luzerner Sinfonieorchester.

Die weiteren acht Mitwirkenden sind:
Igor Karsko, Violine
Alexander Besa, Viola
Catherine Strynck, Cello
Viorel Alexandru, Kontrabass
Bruno Grossi, Flöte
Fabio Di Càsola, Klarinette
Gabor Meszaros, Fagott
David W. Johnson, Horn

Werke

Ludwig van Beethoven: Septett für Bläser und Streicher Op. 20 in Es Dur
Adagio, Allegro con brio; Adagio cantabile; Tempo di minuetto; Scherzo, Allegro molto e vivace; Andante con moto alla marcia
Am 5. Dezember 1800 schrieb Beethoven dem Verleger Hoffmeister: „Ich möchte hiermit meinem Musikfreund (so nannte Beethoven den Verleger) zeigen, was er von mir bekommen kann: ein Septett für Violine, Bratsche, Cello, Kontrabass, Klarinette, Horn, Fagott, alle obligat (ich kann nichts schreiben, was nicht obligat ist, da ich selber mit einer obligaten Begleitung zur Welt gekommen bin!).
Anscheinend ist dieses Septett sehr gut geschätzt worden». Das Septett Op. 20, der Kaiserin Marie Therese gewidmet, wurde während eines privaten Abends am Palast des Prinzen Schwarzenberg und später am z. April 1800 für das Publikum am Nationalen Hoftheater in Wien uraufgeführt.
Am selben Abend hatte Beethoven, der endlich eine Hauptrolle in einer der wichtigsten musikalischen Institutionen in Wien hatte, sein „Gran Concerto für Klavier“ und die Erste Sinfonie vorgestellt, an der er gleichzeitig mit den Quartetten Op. 18 und dem Septett selbst gearbeitet hatte. Es wurde ein grosser Erfolg: sogar die kritische Allgemeine Musikalische Zeitung musste zugestehen, dass diese Arbeit sehr reich an „Geschmack und Phantasie“ war. Aber das eindeutige Zeichen dieses Erfolges war die sofortige Annahme dieses Werkes seitens der Musikamateure, die vom Verlagsmarkt sehr hoch geschätzt waren. Ausgerechnet ein Jahr nach dem Konzert am National Hoftheater schrieb Beethoven selbst nochmals seinem Verleger: „Es wäre sehr höflich von Ihnen, lieber Herr Bruder, wenn Sie, neben der Ausgabe des Septetts in der Originalversion, auch eine Bearbeitung für Flöte, zum Beispiel in der Quintett Form, besorgen könnten. In dieser Weise würde man auch etwas für Amateure herausgeben, eine Bearbeitung, um die mich schon viele gebeten haben. Die Amateure würden das wie Bienen den Honig annehmen und ich bin sicher, dass sie damit sehr zufrieden sein würden.“
Eine weitere Version dieses Septetts, dieses Mal bearbeitet für Klavier, Klarinette (oder Violine) und Cello, sei drei Jahre später veröffentlicht und in Beethovens Katalog mit der Nummer Opus 3 eingefügt worden. Das Werk wurde in diesem Fall dem Doktor J.A. Schmidt gewidmet, Professor für allgemeine Pathologie am Josephinum, dem alten Krankenhaus in Wien, der seit langer Zeit den Komponisten behandelte.
Der Erfolg des Septetts Op. 20 ist einfach zu erklären, da es in direkten Kontakt mit der musikalischen Welt gekommen war, die die breite ähnliche Literatur Mozartscher und Haydnscher Herkunft schon hoch schätzte: die oft aufgeführten Divertimenti und Cassazioni, sowohl in den Sälen als auch im Freien, hatten einen Geschmack gebildet, wo diese Arbeit einfach Wurzel fassen konnte. Der Beethovensche Stil selbst, der von seinen berühmteren Vorbildern noch stark beeinflusst war, zeigte, das weltliche, leichte und lebendige Ziel solcher Werke noch nicht verloren zu haben.
Beweise dafür sind die Konfigurierung der frei verknüpften sechs Sätze, die Fluidität der melodischen Invention (immer sofort verständlich), das Zusammentreffen der Volksthemen wie das der Fünf Variationen, inspiriert von den schmachtenden Liedern der Rheinischen Bootsführer, die oft solistische, konzertante Schreibweise, durch die die Behandlung der einzelnen Instrumente in einer Art paritetischer Integration bewegt wird.
Trotz des Erfolgs am Anfang war Beethoven fähig, nach einiger Zeit die Grenzen einer Arbeit zu erkennen, die, als Vervollständigung seines ersten grossen Kompositionszyklus, zu viel mit dem Geschmack einer Epoche verbunden war, die an ihrem Ende war und den Platz der neuen Sehnsucht der Romantik lassen musste. Jahre später erklärte vertraulich der Komponist selbst: „Es ist wahr, in meinem Septett ist so viel Phantasie, aber so Wenig Kunst... Damals konnte ich noch nicht komponieren, aber heute, so glaube ich, schon“.

Bohuslav Martinu: Nonett (1958)
Allegro; Scherzo, Allegro; Adagio; Finale, Vivace
Tschechischer Komponist (Policka 1890 – Basel 1959), gehört Martinu der Reihe von Musikern, deren Eklektizismus durch die Vielfalt von Tendenz, Stil und Ziel ihrer Werke einfach zu bestimmen ist. Von den Orchester- und instrumentalen Kompositionen neoklassischer Art und mit dem oft antikisierenden Titel, wie die Parfita von 1832, oder das Concerto Grosso und die Tre Ricercari von 1938, oder auch die Suite concertante, bis zu den choralen Kompositionen im Volksstil, wie dies Tschechischen Madrigale, oder die 6 Tschechischen Geistlichen Lieder, zu den Theater- oder Radio- und Fernsehstücken, Die Heirat aus Gogol, La Locandiera aus Goldoni, Die St. des Waldes, bleibt die Kreativität von Bohuslav Martinu durch Vielfalt und die Verschiedenheit charakterisiert, so dass man sogar von der Mangel eines echten einheitlichen Stils sprechen kann. Wandererwährend seines ganzen Lebens, verfolgt Martinu ständig die eigene nationale Kultur, mit der Rekonstruktion einer tschechoslovakischen Volksfarbe, die jeweils mit den ebenso bedeutenden Einflüssen des späten französischen Impressionismus und der neuesten Gattungen der gebräuchlichen Musik gemischt wurde.
Das Nonett stellt einen bedeutungsvollen Fall dieses Bildes. Schwer anzunähernde Arbeit, in der Fusion zweier vorschriftsmässigen Formationen klassischer Herkunft, das Streichquartett (in der Variante mit einer einzigen Geige und dazu einem Kontrabass) und das Bläserquintett, ist es vielleicht kein Zufall, dass Martinu sich erst in seiner späten Reife damit beschäftigt hat, gleichzeitig mit einer, in der Tat nur idealer und künstlerischer, Wiederannäherung seiner Heimat. Schon vom ersten Moment an kann man die frischen und heiteren, typischen Noten der böhmischen Musikwelt, mit der kleinen Fanfare der Klarinette und den folgenden Akkordformeln, erkennen, in denen die melodischen und rhythmischen Modelle der traditionellen tschechischen und böhmischen Tanzmusik zu erkennen sind. Letztendlich, betrachtet Martinu auch eins seiner berühmtesten Vorbilder, wie das erkennbare Zitat aus dem Preludium der „Verkauften Braut“ von Smetana.

Lesegesellschaft Dorf, 9038 Rehetobel, michael@mrkunz.ch