Kammerkonzert mit Ruedi Lutz

Kammerkonzert mit Ruedi Lutz und
den führenden Instrumentalstimmen des St. Galler Kammerensembles
Sonntag, 6. Mai 2001, 17.00 Uhr
Evangelisch-Reformierte Kirche

Zeitungsbericht

Kammermusikalische Delikatesse
Die zweite Veranstaltung der diesjährigen «Konzerte in Rehetobel» in der evangelischen Kirche gestalteten am Sonntag Ruedi Lutz und drei Solistinnen seines Kammerensembles St. Gallen zu einem tief beeindruckenden musikalischen Event.
Im Rahmen dieses Konzertes wurde auch ein Jubiläum begangen. Wie Arthur Sturzenegger einleitend betonte, begann die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem profilierten Musiker Ruedi Lutz vor genau 15 Jahren, als die Konzertreihe «Konzerte in Rehetobel» ins Leben gerufen wurde und er bereits mitbeteiligt war.

Hervorragende Interpreten
Diesmal bot Ruedi Lutz (Cembalo und Orgel) mit exzellenten Partnerinnen, den Geigerinnen Renate Steinmann und Carla Prestin sowie der Cellistin Maya Amrein, ein besonders interessantes Spitzenprogramm mit kammermusikalischen Kostbarkeiten aus dem 18. Jahrhundert - garniert mit klassischer Orgelmusik. Er bewies einmal mehr seine Kompetenz in der Werkauswahl und der fachkundigen Kommentierung der Vortragsstücke.

Homogenes Zusammenspiel
Schon bei Konzertbeginn beeindruckten bei der viersätzigen «Sonata» in a-Moll für zwei Violinen und Cembalo von Arcangelo Corelli, einem Opus mit effektvoll-kantabler italienischer Melodik, die Homogenität des Zusammenspiels, die rhythmische Präzision und die Leichtigkeit des Vortrags.

Mozart-Kompositionen
Eine geradezu überirdische Heiterkeit strömten die beiden melodiösen einsätzigen Kirchensonaten (KV 328 und 336) für Orgel und Streicher (zwei Violinen und Cello) aus, die Mozart für die Gottesdienste im Salzburger Dom komponiert hat. Bezaubernd der duftig-dezente Streicherklang, die spieltechnische Perfektion und die Transparenz! Bei der «Sonate in C-Dur», KV 336, konnte besonders der Organist mit perlenden Läufen und glanzvollem Figurenwerk brillieren. Zu einem musikalischen Höhepunkt gestalteten Carla Prestin (Violine) und Renate Steinmann (Viola) das berühmte «Duo in G-Dur», KV 423, von Mozart, ein dreisätziges Meisterwerk von hoher kontrapunktischer Dichte. Sie meisterten die virtuosen Ecksätze - ein leichtfüssiges «Allegro» und ein übermütiges «Rondo» - und das figurenreiche beseelte «Adagio» in nahtlosem Dialog mit Bravour. Als filigrane musikalische Miniaturen höfischer Musik präsentierte Ruedi Lutz in duftiger Orgel-Registrierung die von Joseph Haydn im Jahre 1792 komponierten drei «Flötenuhrstücke». Profundes Können in Satztechnik, Registrierung und Orgelspiel demonstrierte er mit Improvisationen (Präludium, Choralvorspiel und Fuge) über das Appenzeller Landsgemeindelied «Alles Leben strömt aus Dir».

Französische Barockmusik
Mit farbenreicher französischer Barockmusik, der anspruchsvollen Suite «Deuxième Recréation de Musique» («Erholung in Musik») von Jean-Marie Leclair, rundete das Ensemble das anregende Konzertprogramm begeisternd ab. Neben der Ouverture liessen von den Tanz-Sätzen vor allen die beschwingte «Forlane», die intensiv musizierte elegische «Chaconne» und die markante provenzialische Tambourin-Musik im Schlusssatz aufhorchen. Spontaner und betont herzlicher Beifall begleitete die hochklassigen Darbietungen.

(Ferdinand Ortner, St. Galler Tagblatt vom 8.5.2001 )

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