Klaviermusik zu vier Händen

Klaviermusik zu vier Händen
mit Andreas Altherr und Gregor Gardemann
Sonntag, 18. März, 17.00 Uhr
Evangelisch-Reformierte Kirche

Zeitungsbericht

Ausdrucksstarkes «Kla-Vier-Händig»
Duo «Kla-Vier-Händig» eröffnete die Saison von «Konzerte in Rehetobel» mit klangschöner Klaviermusik

Mit exquisiter Klaviermusik zu vier Händen - einer Rarität - starteten die Organisatoren der «Konzerte in Rehetobel» am späten Sonntagnachmittag in der reformierten Kirche die heurige Veranstaltungsreihe sehr beeindruckend.
Das Duo «Kla-Vier-Händig» bot mit namhaften Werken internationaler Klaviermusik des 19. Jahrhunderts vor einem feinsinnigen Publikum eine begeisternde Aufführung. Den Primo-Part spielte der deutsche Pianist Gregor Gardemann. Sein Schweizer Freund Andreas Altherr - aus Rehetobel stammend - war im «Secundo» ein optimaler Partner. Es sei gleich vorweggenommen: Die beiden Pianisten erwiesen sich als subtil gestaltende Könner mit dynamischem Ausdrucksvermögen und spieltechnischer Brillanz. Erfreulich die nahtlose musikalische Korrespondenz sowie die ausgewogene weiche Anschlags- und dezente Vortragskultur! Sympathisch-bescheiden auftretend, sorgten sie für berührende authentische Interpretationen mit einem Faible für die Ausarbeitung der Details.

Melodiöse Programmmusik
Die musikalisch anspruchsvolle Vortragsfolge umfasste gehaltvolle und naturbezogene Programmmusik von Franz Schubert, Modest Mussorgskij, Johannes Brahms und Antonin Dvorak. Die Kompositionen waren geprägt nicht nur von Melodienreichtum, sondern speziell auch von Klangschönheit.

Einfühlsam und transparent
Schon beim einleitenden romantischen Vortragsstück «Marche Caractéristique» und besonders dann bei der Fantasie in f-Moll, op. 193, von Schubert konnten die Pianisten ihr Können demonstrieren. Es gelang ihnen mit einfühlsamem transparentem Spiel, die kunstvoll verschlungene Melodik des ausdrucksvollen, tragisch gestimmten Spätwerkes erblühen und die eigenwillige Kontrapunktik wirken zu lassen. Dabei besonders wirkungsvoll waren die satztechnischen Finessen im Scherzo und das dramatische Finale. Ein erregendes Opus in einer eigenwillig herben Tonsprache präsentierte das Duo mit dem ausdrucksstarken Tongemälde «Eine Nacht auf dem kahlen Berge» von Mussorgskij . Dieser Hexensabbat war dynamisch sehr lebendig und spieltechnisch souverän gestaltet. Positiv vermerkt sei, dass bei allen Vorträgen das Pedal wenig eingesetzt wurde. Bei den «Ungarischen Tänzen» (Nr. 17 bis 21) von Brahms kamen im klassisch-romantischen Klaviersatz die elegante Rhythmik und der dichte folkloristische Stimmungsgehalt besonders der melancholischen Csárdasweisen voll zum Ausdruck.

Krönender «Böhmerwald»
Krönender Höhepunkt des Konzertes war die eindrucksvolle Darbietung des Zyklus «Aus dem Böhmerwald», op. 68, von Antonin Dvorak. In den sechs Sätzen wurden von den hingebungsvoll musizierenden Pianisten reizende poetische Naturstimmungen und frohes Treiben auf bezwingende Weise interpretiert: ein anmutig bewegtes Bild «In den Spinnstuben», zarte Romantik «Am Schwarzen See» und in der «Waldesruh» sowie ein Volksfest mit ausgelassenen Tänzen in der «Walpurgisnacht». Das hektische Treiben in der Welt wurde im erregenden Schlussstück «In stürmischen Zeiten» geschildert. Für den begeisterten Beifall bedankte sich das Duo mit dem «Ungarischen Tanz» (Nr. 5) von Brahms.

(Ferdinand Ortner, Appenzeller Zeitung, 21. März 2001)

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