Konzert Kammerensemble

Kammerkonzert mit Ruedi Lutz
17. September 2000, 17.00 Uhr
Evangelisch-Reformierte Kirche

Aufführende

Ruedi Lutz, Cembalo
Renate Steinmann, Violine
Maya Amrein, Violoncello

Programm

J. S. Bach (1685-1750) - Sonate BWV 1023 e-moll für Violine und Basso Continuo
Allegro – Adagio ma non tanto – Allemanda – Gigue

Domenico Scarlatti (1685 -1757) - Sonate A-Dur für Cembalo solo
Adagio

Francesco Geminiani (1687-1762) - Sonate III C-Dur für Violoncello und Basso Continuo
Andante – Allegro – Affetuoso – Allegro

J. S. Bach (1685-1750) - Sonate BWV 1019 G-Dur für Violine und Cembalo
Allegro – Largo – Allegro – Adagio –Allegro

Domenico Scarlatti (1685-1757) - Sonate h-moll für Cembalo solo
Andante

J. S. Bach (1685 -1750) - Sonate BWV 1021 G-Dur für Violine und Basso Continuo
Adagio – Vivace – Largo – Presto

Domenico Scarlatti
(1685 -1757), Sohn des ebenfalls als bahnbrechender Komponist wirkenden Vaters Alessandro Scarlatti, wurde in Neapel geboren und verstarb ebenda. Erwirkte in Rom, London, Lissabon, Madrid und Neapel und galt als Hauptmeister der italienischen Klaviermusik. In seinen Sonaten, einsätzigen und meist zweiteiligen Spielstücken, überträgt er virtuose Figuren der Violinmusik auf das Cembalo.
Francesco Geminiani (1687 -1762) wurde in Lucca geboren und verstarb in Dublin. Als Schüler Corellis machte er sich als Geiger und Komponist einen Namen und wirkte als solcher von 1714 bis 1749 neben Haydn in London.

Zeitungsbericht

Führende Mitglieder des St. Galler Kammerensembles mit Ruedi Lutz präsentierten am Sonntag einem atemlos lauschenden Publikum exzellente barocke Kammermusik von «Bach und Zeitgenossen». Diese dritte und letzte musikalische Veranstaltung der heurigen Reihe «Konzerte in Rehetobel» war auch ein würdiger Beitrag zum Bach-Gedenkjahr.
Ruedi Lutz am Cembalo, die Geigerin Renate Steinmann und die Cellistin Maya Amrein boten ein ausgewähltes Sonaten-Programm vom Feinsten. Musikalische Ausstrahlung, spieltechnische, und rhythmische Präzision sowie ausgewogenes Zusammenspiel waren die Markenzeichen des Trios.
Die Krönung der von Ruedi Lutz fachkundig kommentierten Vortragsfolge waren drei Duo-Sonaten von Bach (1685 bis 1750). Sie wurden umrankt von analogen Kompositionen der Zeitgenossen Domenico Scarlatti (1685 bis 1757) und Francesco Geminiani (1687 bis 17'62) sowie von Mozart.

Spannungsvolle Musik
Das Sonaten-Programm begann mit einem formalen Ubikum, der dreisätzigen Sonate e-Moll für Violine und Basso continuo (Cello und Cembalo), BWV 1023, von Bach. Dem Eröffnungs-«Adagio» ist eine Violinimprovisation über einem Orgelpunkt vorangestellt.Dann folgen zwei, einzelne Suiten-Sätze, eine melodisch ruhig fliessende «Allemande» und eine rhythmisch akzentuierte «Gigue»; Die interessante Sonate wurde sehr spannungsvoll musiziert.
Bei der Cembalo-Sonate in h-moll von Domenico Scarlatti beeindruckten die transparente Stimmführung und die melancholische Atmosphäre. Eine typische Kirchensonate mit je zwei langsamen und schnellen Sätzen waren mit der Sonate III in C-Dur für Violoncello und Basso continuo (Cembalo) von Geminiani zu hören. Die Cellistin Maya Amrein nützte im Dialog mit dem Cembalisten die musikalischen Entfaltungsmöglichkeiten («Affetuoso» und «Allegro»-Sätze).

Eminente Ausdruckskraft
Krönender Höhepunkt des Konzertes dann die begeisternde Wiedergabe der Sonate G-Dur für Violine und Cembalo, BWV 1019, von Bach, eine verkappte Trio-Sonate, die in ihrer vom Üblichen abweichenden Satzfolge aus dem Rahmen fällt und ein Kunterbunt von Stimmungen vermittelt. Dies gelang der hervorragenden Geigerin Renate Steinmann und dem souveränen Cembalisten Ruedi Lutz durch eine lebendige Gestaltung exzellent. Vor allem bei den drei spieltechnisch anspruchsvollen «Allegro»-Sätzen bewiesen sie mit transparentem Spiel virtuoses Können und eminente Ausdruckskraft Bei den langsamen Sätzen wurde die sehnsuchtsvolle, liedhafte Melodik gefühlvoll ausgelotet.

Stürmischer Beifall
Musikalische Gustostückchen waren die beiden Beiträge des jungen Mozart, ein liebliches «Andante» und ein effektvolles «Allegro» – Mit der Bach-Sonate G-Dur für Violine und Basso continuo (Cello und Cembalo), BWV 1021, fand das erbauende Konzert einen harmonischen Abschluss. Bei den reich ausgezierten langsamen Sätzen – besonders beim träumerischen «Largo» – konnte Renate Steinmann noch einmal die Kantilene erblühen lassen. Das polyphon kunstvolle «Presto»-Finale löste stürmischen Schlussbeifall aus.

(Ferdinand Ortner, Appenzeller Zeitung vom 20. September 2000)

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