Konzert "Hohes Lied"

Konzert des Zürcher Vokalensembles
5. März 2000, 17:00 Uhr
Evangelisch-Reformierte Kirche

Aufführende

Vokalisten
Peter Siegwart, Annette Labusch, Eva Oltivänyi, Regula Schneider, Maja Hermann, Regina Jakobi, Heike Werner, Tino Brütsch, Reto Hofstetter, Daniel Leo Meier, Raphael Jud, Jürg Krattinger, Samuel Zünd

Instrumente

Carin van Heerden (Blockflöte), Regula Schneider (Klarinette), Mark Gebhart (Horn), Peter Siegwart (Akkordeon), Theresia Schmid (Klavier)

Programm

Tanz, Variation 1 nach B. Martinu - für Blockflöte, Klarinette, Horn, Akkordeon und Klavier

Klänge aus Mähren
Antonín Dvorák aus „Klänge aus Mähren“, op. 32, Duette für Sopran, Alt und Klavier;
Texte nach mährischen Volksliedern

Leos Janácek aus „Sechs Klänge aus Mähren“ (ohne op.) für Chor und Klavier;
nach Antonín Dvoráks „Klänge aus Mähren“, op. 32

Löwenzahn-Romanze
Bohuslav Martinu „Löwenzahn-Romanze“
Kammerkantate 1957, Text: Miloslav Bures / für Sopran solo und Chor

Tanz, Variation 2 nach B. Martinu - für Blockflöte, Klarinette, Horn, Akkordeon und Klavier

Zigeunermelodien
Antonin Dvorák aus „Zigeunermelodien“, op. 55, für Solostimme und Klavier
Texte: Adolf Heyduk
Johannes Brahms aus „Zigeunerlieder“, op. 103, für 4 Stimmen und Klavier
nach dem Ungarischen von Hugo Conrat

Legende aus dem Rauch des Kartoffelkrautes
Bohuslav Martinu „Legende aus dem Rauch des Kartofelkrautes“
Kammerkantate 1956, Text: Miloslav Bures
für Sopran, Alt, Bariton soli, Chor, Blockflöte, Klarinette, Horn, Akkordeon und Klavier


Das Programm „Hohes Land II“ ist eine vielfach gewünschte und erweiterte Wiederaufnahme des 1997 erstmals vorgestellten Programms „Hohes Land“. Der Titel „Hohes Land“ ist inspiriert durch das ganz persönliche späte Kammerkantatenwerk Bohuslav Martinus (geboren 1890 in Policka an der Grenze zwischen Böhmen und Mähren, gestorben 1959 in Liestal in der Schweiz), das innerhalb seines musikalischen Schaffens auf unvergleichliche Weise mit seiner Kindheit und mit der Musik seiner Heimat verbunden ist. Im rauhen und armen tschechischen „Hochland“ hat Martini seine Kindheit verbracht ‑ kurz vor seinem Tod hat er es ein letztes Mal aus der Fremde besungen: Es sind insgesamt vier kantatenartige Werke, die schon bald als „Gesänge des Hohen Landes“ bezeichnet wurden, entstanden in den Jahren 1955 bis 1958 in Zusammenarbeit mit dem ebenfalls aus Policka stammenden Dichter Miloslav Bures und handelnd von mit tiefem Sinn erfüllten heimatlichen Volksbräuchen und Legenden.
Das Programm enthält zwei Werke aus diesem Kantatenzyklus: Die „Löwenzahn-Romanze“ („Romance z pampelisek“) aus dem Jahre 1957, ein balladenartig ausgebreitetes volkstümliches Liebeslied, hat als einzige A-cappella-Komposition innerhalb des Zyklus einen besonderen Stellenwert. Die 1956 entstandene „Legende aus dem Rauch des Kartoffelkrautes“ („Legenda dymu bramborove nati“) ist klanglich geprägt durch eine aussergewöhnlich schöne volksmusikalisch orientierte Instrumentalbesetzung mit Blockflöte, Klarinette, Horn, Akkordeon und Klavier. Sie erzählt die wunderbare Geschichte der Gottesmutter, die unter das Volk geht: ihr wird es „bang im Dämmerlicht der Kirche“, sie steigt herab vom Altar und geht unerkannt unter das Landvolk, aufs Feld, in den Kartoffelduft und in den Rauch des schwelenden Krautes...
Der expressionistisch kraftvollen Musik Martinus werden mährische Duette und zigeunerische Sololieder Antonín Dvoráks an die Seite gestellt, vermischt mit entsprechenden chorischen Werken: zum einen sind es einige der von Leos Janácek hervorragend für Chor umgearbeiteten Dvorák-Duette, zum andern eine Auswahl der bekannten chorisch gesetzten Zigeunerlieder von Johannes Brahms.
Martinu lässt inmitten seiner „Legende“ die erwähnte reizvolle Instrumentalgruppe zu einem kleinen Volkstanz aufspielen - dem unscheinbaren und wunderbar gemachten Tänzchen sind kleine Variationen speziell für dieses Programm entsprungen.

Lesegesellschaft Dorf, 9038 Rehetobel, michael@mrkunz.ch