Hauptversammlung 2000

Hauptversammlung und Referat "Dialekt"
28. Januar 2000, 20:00 Uhr
Restaurant "Löwen"

Lesegesellschaft Dorf Rehetobel setzt auf Zusammenarbeit und Vernetzung
Neben den von den Statuten vorgegebenen Geschäften wurden an den kürzlich abgehaltenen Hauptversammlung der Lesegesellschaft Dorf das Projekt der Lesegesellschaften am Appenzellerfest 2000 und die Website der LG Dorf diskutiert. Der zweite Teil des Abends gehörte Hansuli Zuberbühler und seinem sehens- und hörenswerten Vortrag über Namen von Bäumen, Sträuchern und Kräutern in den appenzellischen Mundarten.
Mit der traditionellen 8-Minuten-Verzögerung eröffnete die Präsidentin Katharina Sutter die Hauptversammlung 2000 der Lesegesellschaft Dorf im neuen Saal des Restaurant Löwen mit einem herzlichen Willkomm an die Anwesenden. Nach wenigen Worten der Einleitung, dem Versprechen, sich bei den Geschäften kurz zuhalten und der einstimmigen Wahl des Stimmenzählers (Stefan Gretler), wurde das Protokoll der HV 99 verlesen und von der Versammlung einstimmig genehmigt.

Rückblick auf 1999
Im Bericht der Präsidentin konnte Katharina Sutter wiederum auf ein reichbefrachtetes Jahr mit den verschiedensten, sehr gut besuchten Anlässen zurückblicken. Neben drei Konzerten - wie „Brokat“ wurde die Qualität in der Appenzeller Zeitung beschrieben - wurde ein gut besuchter Informations- und Diskussionsabend zur eidgenössischen Abstimmung über das Raumplanungsgesetz organisiert. Der Ausflug der LG führte am 6. März nach Trogen. Georges Frey bot neben der Trogener Baukunst, wie sie in und an Gebäuden am Landsgemeindeplatz zu sehen ist auch einen spannenden Einblick in die europäische Geschichte, die sich parallel zur Entstehung der Paläste abspielte. Ende Mai fand ein Kurs zur neu eingeführten Rechtschreibung unter der Leitung von Fredi Zuberbühler, Rehetobel, statt. Dieser Anlass und der Ausflug waren die beiden Aktivitäten, die im vergangenen Jahr über die Lesegesellschaft hinaus gewirkt und der LG neue Mitglieder gebracht haben. Ein weiterer Höhepunkt war der Vortrag „Schmetterlinge sterben leise“ über die Veränderung der Schmetterlingsfauna in Rehetobel und Umgebung vom 28. Juni. Über 120 Interessierte folgten den Ausführungen von Dr. W. Keller, Lausanne. Er zeigte anhand der Resultate einer 4-jährigen Studie den dramatischen Artenrückgang bei Schmetterlingen in unserer Region auf, basierend auf Vergleichsdaten (1906-1936) von Paul Bodenmann, dem Rechtöbler Malermeister und Schmetterlingsforscher. Am 10. September kam Frau Lehner, Leiterin der Igelstation in St. Gallen nach Rehetobel. Über diesen Abend wurde an dieser Stelle bereits ausführlich berichtet. Das LG-Jahr wurde am 7. November durch Peter Eggenberger, der im Restaurant Löwen aus seinem neuesten Büchlein "Druss und Dri" las und durch den traditionellen Chlösler mit Diskussionen über das Steuer- und das Krankenpflegegesetz am 3. Dezember abgeschlossen.

Finanzielles und Wahlen
Mit einem gutem Schuss Humor erläuterte Kassier Michael Kunz die Erfolgsrechnung der Lesegesellschaft, die diesen Namen wirklich auch verdient! Auf Antrag von Revisor Marcel Baumgartner wurde dem Kassier wie auch dem Vorstand Décharge erteilt und die Arbeit mit Applaus verdankt. Der Mitgliederbeitrag konnte getrost auf dem Status Quo belassen werden.
Auch gewählt wurde schnell: sowohl Vorstand wie auch Revisoren stellten sich zur Wiederwahl und da die Arbeit im vergangenen Jahr offensichtlich dem Gusto der Versammelten entsprach, wurden Katharina Sutter, Präsidentin, Marketta Meier, Beisitzerin, Michael Kunz, Kassier, Emanuel Hörler, Aktuar und die Revisoren Gabriela Scheiber und Marcel Baumgartner einstimmig bestätigt.

Zusammenarbeit und Vernetzung: Internet & Appenzeller Fest
Unser „Gesellschafts-Webmaster“ Michael Kunz orientierte über die Website der LG Dorf, die er kreierte und die seit Kurzem zugänglich ist (http://www.homepage.swissonline.ch/mkunz/lg/index.htm). Es sind Informationen zur Geschichte der LG zu finden, Hinweise auf die kommenden, sowie Berichte über die letzten Anlässe der Lesegesellschaft. Im Laufe des Jahres wird „Internet“ auch das Thema eines unserer Anlässe sein. Im Weiteren präsentierte M. Kunz auch ein Faltblatt, in dem die LG Dorf vorgestellt wird. Die Idee und Realisation der Broschüre wurde sehr positiv aufgenommen. Emanuel Hörler informierte die Anwesenden über das Projekt der Lesegesellschaften AR am Appenzeller Fest. Dieser Anlass soll allen Lesegesellschaften eine Plattform bieten, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. An den drei Festtagen Anfang September sollen auch typische LG-Veranstaltungen organisiert werden: ein Konzert, eine Lesung und eine Diskussionsrunde zu einem aktuellen Thema aus der Politik. In diesem Zusammenhang wurde der Vorstand in seinem Bestreben bestätigt, mit anderen Lesegesellschaften oder freidenkenden Gruppierungen zusammenzuarbeiten und gemeinsam Veranstaltungen zu organisieren. Katharina Sutter ermunterte die Versammlung dann auch zur Mitarbeit bei der Suche von Kandidaten für politische Gremien. Nach einem kurzen Ausblick auf bereits geplante Anlässe im neuen Jahr schloss die Präsidentin den statuarischen Teil der Hauptversammlung mit einem Dankeschön an die Anwesenden.

Zitterloose oder wie hääst da Blüemli im Rechtöbler Dialekt?
Im zweiten Teil gab uns Hansuli Zuberbühler einen Einblick in eine seiner aktuellsten Arbeiten. Als Kenner der appenzellischen Mundarten beschäftigt er sich seit geraumer Zeit mit den Namen von Pflanzen, Sträuchern und Bäumen in der Rechtöbler Mundart. Er führte uns anhand von wunderbaren Diapositiven aus dem Archiv von Astrid Maeder, Rehetobel durch eine für viele wenig bekannte Welt der Dialektausdrücke. So handelt es sich bei der im Untertitel erwähnten Zitterlose um die hohe (Primula elatior) oder echte (Primula veris syn. officinalis) Schlüsselblume, nicht zu verwechseln mit dem Badenechtli oder Badäneli, der Frühlingsschlüsselblume. Der Löwenzahn, von dem jeder Pflanzenteil in der Naturheilkunde verwendet wird, heisst Ringelblueme, Meijeblueme, Suchüechli, Stüüber, Meijestüüber, Chetteleblueme, Chrottepösch, Chrotteblueme, Chlepfere, Schmalzblueme, Sonnwendlig, Tüüfelsblueme oder Hondszunge.
Immer wieder ging zustimmendes Gemurmel durch die Reihen der Zuhörer, wenn ein fast vergessenes Mundartwort erwähnt wurde oder Zusammenhänge mit Fremdsprachen aufgezeigt wurden (Stiefmütterchen, Teenketli, Tänkeli, Pensée des champs).
Hansuli Zuberbühler gab während seines Vortrags viele Bücher in die Runde, in denen nach Belieben gestöbert werden konnte und erzählte die eine oder andere Geschichte zum Thema. De aalt Tobiass, aus dem Buch „Sinner Zit“ von Werner Longatti, der Zahnweh mit „Bluedwoorzle“, der roten Wurzel des Fünffingerkrautes kurierte, ist nur ein Beispiel dafür.
Dieser interessante zweite Teil des Abends wurde mit grossem Applaus und einem kleinen Präsent verdankt. Abschliessend lud Katharina Sutter zum gemütlichen Beisammensein und zur Diskussion des Gehörten bei einem kleinen Imbiss aus der Löwenküche ein.

(Emanuel Hörler, Appenzeller Zeitung)

Lesegesellschaft Dorf, 9038 Rehetobel, michael@mrkunz.ch