Bach-Matinée

Matineé "Musikalisches Opfer" mit Werken von J. S. Bach
16. Januar 2000, Evangelisch-Reformierte Kirche

Zeitungsbericht

Mit der beeindruckenden Aufführung eines Meisterwerkes der barocken Polyphonie, dem „Musikalischen Opfer“ von Joh. S. Bach, konnte am Sonntagvormittag ein zahlreiches Publikum in der evangelischen Kirche eine Delikatesse der Kammermusik geniessen.
Für die Matinee im Rahmen der „Konzerte in Rehetobel“ hatten die Veranstalter ein erstklassiges Ensemble - Mitglieder des Luzerner Sinfonie-Orchesters und den amerikanischen Cembalisten Paul Suits - engagiert. Ein informatives Programmheft erleichterte den Zuhörern den Zugang zum vielschichtigen Werk, in dem Bach sein umfassendes kontrapunktisches Können wie in einem Brennspiegel zusammenfasst - in zehn kunstvollen Kanons, zwei Ricercaren (Fugen) und einer grossartigen Triosonate.
Anlass zur Komposition des „Musikalischen Opfers“ war 1747 ein Besuch des Thomaskantors bei Friedrich dem Grossen, der ihm ein „königliches Thema“ mit dem Auftrag übermittelte, kompositorisch seine Fugen-Kunst zu demonstrieren. Für die Aufführung in Rehetobel wurde das gesamte Werk bewusst mit heute gebräuchlichen Instrumenten interpretiert. Es geht bei diesen Aufführungen vor allem darum, das Figurengeflecht der polyphonen Satzkunst transparent zu machen und zu zeigen, dass es möglich ist, in zwei Systemen und nur mit zwei Händen eine sechsstimmige Fuge zu spielen.

Ambitionierte Interpreten
Das junge Ensemble setzte sich aus Kztm. Igor Karsko (Violine), Andrea Strässle-Bischof, Christoph Bürgi (beide Oboe und Englischhorn), Alexander Besa (Viola), Beat Feigenwinter (Violoncello) und Paul Suits (Cembalo) zusammen. Die voll geforderten Musiker boten eine respektable Gesamtleistung. Die eindrucksvollsten musikalischen Akzente setzten partiturgemäss der Primgeiger und die Oboistin - sie musizierten besonders einfühlsam und klangschön - sowie der souveräne Cembalist.

Stürmischer Beifall
Auf das einleitende dreistimmige Ricercar mit dem vorangestellten „Thema Regium“ - es erscheint in allen 13 Teilen des Werkes - folgten mehrere Kanons verschiedenster Art und in wechselnden Instrumental-Besetzungen vorgetragen. Sie erforderten von den Künstlern solides spieltechnisches Können, volle Konzentration und feinsinnige Musikalität. Die drei Streicher gefielen mit dezentem Spiel. Bestechend die nahtlose Korrespondenz zwischen Geige und Oboe, bzw. der Einklang zwischen den beiden Oboen und Englischhörnern. Glanzlichter waren der „Canon 4 à 2 per Augmentationem“, die „Fuga canonica“, der frohbewegte „Canon 8 perpetuus“ (Umkehr-Kanon) und der „Canon 10 à 4“, als kompositorisches Highlight mit je zwei ariosen und lebhaften fugierten Sätzen erwies sich die Triosonate in c-Moll. Beim innigen „Largo2 wie auch im expressiv-wehmütigen „Andante“ bestachen die Melodieinstrumente auf dem Background des Basso continuo (Cello und Cembalo) mit wunderschöner Tongebung und Phrasierung. Während das erste „Allegro“ vom Königsthema (Doppelfuge) geprägt wurde, wirkte der Schluss-Satz mit der Synthese der Themen tänzerisch. Mit der sechsstimmigen Fuge „Ricercare à 6“ krönte der Cembalist Paul Suits die Aufführung. Nach Augenblicken atemloser Stille gab es stürmischen Beifall.

(Ferdinand Ortner, Appenzeller Zeitung, 18. Januar 2000)

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