Referat "Igel"

Referat über Igel von Rosmarie Lehner,
10. September 1999
Kleiner Saal GZ

Sie sind so alt wie Dinosaurier
Wissenswertes über die putzigen Stachelhäuter, die Igel

Auf Einladung der Lesegesellschaft Dorf Rehetobel informierte kürzlich Rosmarie Lehner, Präsidentin des Ostschweizer Igelfreundevereins und Leiterin der Igelstation in St. Gallen, ausführlich über die stacheligen Waldbewohner.
Am Vortrag von Rosmarie Lehner wurden verschiedene Aspekte der Igelbiologie wie Vorkommen, Fortpflanzung und Ernährung oder etwa Gefahren thematisiert. Der Anlass war mit dreissig Interessierten, darunter einigen Kindern, sehr gut besucht. Ein Höhepunkt war die Demonstration von Igel Bruno, der sich anfänglich noch zierte, dann aber zutraulicher wurde und die Anwesenden freundlich musterte und beschnupperte.

Verspätung wegen Notfällen
Gleich zu Beginn des lebendigen Referates erfuhr das Publikum den Grund für die kleine Verspätung, mit welcher der Vortrag startete: Rosmarie Lehner hatte just auf den Abend hin noch vier «Notfälle» aufzunehmen und deren Grundbedürfnisse zu stillen.

Nachtaktive Insektenfresser
Igel gehören zu den ältesten heute noch lebenden Säugetieren. In der Erdgeschichte wird ihr Auftreten in der Zeit der Dinosaurier vermutet. Sie sind nachtaktive Insektenfresser, nehmen aber auch Regenwürmer, Schnecken, Tausendfüssler, Spinnen, Asseln und nestjunge Mäuse zu sich. Mit der ihr eigenen Art schilderte Rosmarie Lehner, wie sie einen Igel beim Fressen von Schnecken beobachtete: Er zerriss eine grosse Schnecke in scheinbar mundgerechte Stücke, brachte diese aber nicht in seinen Magen. Er würgte, würgte und spie das Stück wieder aus. Dann legte er sich auf den Rücken und genoss Schneckenstück um Schneckenstück mit lautem Schmatzen. Igel sind angewiesen auf absolut giftfreie Lebensräume mit Hecken, Gebüschen, Laub- und Reisighaufen, eine «unordentliche» Umgebung also. Sie kommen bis 1100 Meter über Meer vor und legen pro Nacht mehrere Kilometer auf der Suche nach Nahrung oder einer Partnerin zurück. Igel, die tagsüber beobachtet werden, torkeln oder herumliegen, sind krank und sollten unverzüglich einer Igelstation (Lutzenberg: Telefon 888 69 55, St. Gallen: 245 71 09) gemeldet werden. Auf keinen Fall sollte Igeln Kuhmilch angeboten werden, da diese tödlichen Durchfall hervorrufen.

Feinde und Gefahren
Dachs, Fuchs, Marder oder Hunde können Igeln unter gewissen Umständen gefährlich werden. Menschliches Tun oder Begegnungen mit dem Menschen sind für die Igel praktisch immer gefährlich. Rosmarie Lehner schilderte erschreckende Situationen, in denen Igel zu Tode kamen. Weitere Gefahren sind die modischen Rasentrimmer, die einem gesunden Igel innert Sekunden Beine oder Arme abtrennen. Solche Verletzungen sind oft tödlich. Unendlich viel langsamer ist der Todeskampf herrührend von Vergiftungen durch den Verzehr von Schnecken, die sich an Schneckenkörnern gütlich taten. Bis zu drei Monate dauert dieser Kampf, den der Igel fast immer verliert. Rosmarie Lehner appellierte an Gartenbesitzer, kein Gift in die Umgebung zu bringen, weder Schneckenkörner noch andere chemische Stoffe.

(Emanuel Hörler, Appenzeller Zeitung vom 17.09.1999)

Lesegesellschaft Dorf, 9038 Rehetobel, michael@mrkunz.ch