Kammermusik "I Diversi"

Referat Luregn Lenggenhafer über Namibia
27. November 2008
20:00 Uhr, Kleiner Saal Gemeindezentrum

Aufführende

Das ensemble I DIVERSi! besteht aus vier bestqualifizierten und arrivierten Musikern, die alle sowohl solistisch als auch in kammermusikalischen Besetzungen im weitmöglichsten Sinn zu Hause sind. Gegründet wurde das Ensemble im Herbst 2007 von der Mezzosopranistin Rebecca Nuñez und der Pianistin Claudia Heé. Das Quartett sticht durch seine extravagante Besetzung (Gesang, Klarinette, Klavier und Violoncello) hervor. Anhand dieser ausserordentlichen Instrumentierung und der Möglichkeit, innerhalb des Quartetts in verschiedenen Formationen aufzutreten, entstehen kontrastreiche und vielfältige Programme für ein breitgefächertes Konzertpublikum. So ist es ein Ziel des Ensembles, Raritäten der Musikwelt sowie auch zeitgenössische Werke einzustudieren. Der Lust und Neugier zu qualitätsreichen Bearbeitungen und zum Experimentieren innerhalb der E-Musik steht nichts im Wege. Ferner ist es ein grosses Anliegen des professionellen Ensembles, Kompositionen namhafter (Schweizer) Komponisten aufzuführen und bekanntzumachen. Mit der Auftragskomposition vom Aargauer Komponisten Andre Meier entsteht erstmals ein Werk für die spezielle Besetzung des Ensembles. Hierfür erhielt das Ensemble vom Aargauer Kuratorium sowie vom Amt für Kultur des Kantons Appenzell Ausserrhoden grosszügige Werkbeiträge.

Andre Meier (*1974) studierte Trompete bei Rudolf Linder (SMPV-Basel), Komposition an der Hochschule der Musik-Akademie Basel (2002-2007) bei Detlev Müller-Siemens und Erik Oña, Tonsatz/Kontrapunkt bei Roland Moser; dazu als Instrumenatlist Improvisation bei Walter Fähndrich (Konzertreife-Diplom). Nebst seiner musikpädagogischen Tätigkeit widmet sich Andre Meier vorwiegend der Neuen und improvisierten Musik. Atelieraufenthalt in London (2001); verschiedene Beiträge und Förderungen seiner kompositorischen Arbeit durch das Aargauer Kuratorium, sowie durch die Kiefer Hablitzel Stiftung. Seine Werke wurden unter anderem gespielt vom Tonhalle-Orchester Zürich, Ensemble Aleph Paris, Ensemble Phoenix Basel, Thürmchen Ensemble Köln, Ensemble für Neue Musik der "Hochschule der Musik-Akademie Basel", Ensemble Innuendo, Lutz Mandler, David LeClair und Claudia Heé. Andre Meier wurde 2006 für sein Sextett "descriptions d'un espace" an das "4e Forum International des Jeunes Compositeurs" des Ensemble Aleph (Paris) nach Dresden eingeladen. Als improvisierender Musiker ist Andre Meier zurzeit im Duo mit Thomas Peter (electronics) tätig; Konzerte in mit dem „Institute for Computer Music and Sound Technology" (Tonkünstlerfest 07, ZKM Karsruhe 07).

Programm

Louis Spohr (1784-1859):
Sechs deutsche Lieder op.103 für hohe Stimme, Klarinette und Klavier
* Sei still mein Herz
* Zwiegesang -Sehnsucht -Wiegenlied
* Das heimliche Lied
* Wach auf

André Meier (*1974)
:
[hybrid]

Alexander Zemlinsky (1871-1942)
:
Trio op.3 in d-moll für Cello, Klarinette, Klavier
* Allegro ma non troppo -Andante
* Allegro

Johannes Brahms (1833-1897)
:
Zwei Gesänge für eine Altstimme mit Bratsche (Cello) und Klavier
* Gestillte Sehnsucht
* Geistliches Wiegenlied

Bericht Appenzeller Zeitung

Rehetobel. Die traditionellen «Konzerte in Rehetobel» beschlossen am Samstag die Saison mit einem besonderen Event, einer Kammermusik-Soirée des im Herbst 2007 neu gegründeten «ensemble I Diversi».

Diese aus qualifizierten Musikern gebildete Formation stellte sich bei ihrem Rehetobler Konzertdébut in speziellen Besetzungen dem Publikum vor. Rebecca Nunes (Mezzosopran), Séverine Payet (Klarinette), Alain Schudel (Violoncello) und die St. Galler Pianistin Claudia Heé präsentierten sich den erwartungsfrohen Zuhörern.
Durch die aussergewöhnliche Instrumentierung kann das Ensemble in verschiedensten Formationen auftreten und exklusive Programme – wie etwa Raritäten der Musikliteratur und zeitgenössische Werke – einem breitgefächerten Publikum präsentieren.
Diese Möglichkeiten nützten die «I Diversi» beim Auftritt in Rehetobel optimal.

Kontrastreiches Programm
Im intimen Ambiente der evangelischen Kirche boten sie ein interessantes, mit Gesang verbundenes Kammermusikprogramm aus verschiedenen Musikepochen (18.–21. Jahrhundert) sowie die Uraufführung einer spannungsvollen Auftragskomposition des Aargauers André Meier.
Zum Auftakt erklangen die «Sechs deutschen Lieder op. 103» für hohe Stimme, Klarinette und Klavier des Romantikers Louis Spohr (1784–1859), einem einst prominenten Violinvirtuosen und erfolgreichen Komponisten in Oper, Symphonik und Kammermusik. Diese stimmungsvollen Lieder – in der Form einer Art von Kammermusik – verströmten melodische Schönheit und atmeten auch sanfte Schwermut. Thematisch dominierten Liebeslust und -leid, Frühlingsgefühle und Sehnsüchte.
Die Mezzosopranistin Rebecca Nunes gestaltete die Gesänge im nahtlosen Dialog mit der exzellenten Klarinettistin Séverine Payet und der einfühlsamen Pianistin Claudia Heé mit wohlklingender, beseelter Stimme und tiefer Empfindung sehr ausdrucksvoll. Besonders reizvoll die filigranen Verzierungen und lieblichen Dialoge im Klarinettenpart.

Uraufführung
Einen tonal und rhythmisch krassen Gegensatz zu dieser hochromantischen Musik von Spohr bildete die spannungsgeladene Uraufführung der Musikinstallation «Hybrid» von André Meier (geb. 1974), eines Auftragswerkes für eine spezielle Besetzung (Klarinette, Klavier, Sopran und Cello).
Die Aufführung dieses aus verschiedensten Elementen komponierten vielfältigen Werkes, das die gewohnten Musikrichtungen kontrastiert und völlig neue Wege öffnet, erforderte von Interpreten und Publikum äusserste Konzentration und Disziplin. Instrumentale und vokale Beiträge, Geräusche und Sprechtexte vermischten sich – präzis geplant – zu einem Improvisationskunstwerk, das eine eigenartige spannungsvolle Stimmung erzeugte. Die interessiert lauschenden Zuhörer spendeten nach Sekunden der Stille freundlichen Beifall.

Brahmslieder
Mit den zwei Gesängen für eine Altstimme mit Cello und Klavier von Johannes Brahms (1833– 1897) hörten wir kompositorische Raritäten des Kunstliedes. Das Cello wird als melodieführendes, der Singstimme gleichwertiges Soloinstrument behandelt. Im sehnsuchtsvollen Abendlied «Gestillte Sehnsucht» duettierten Cellist und Sängerin eindrucksvoll in freien kontrapunktischen Verflechtungen. Beim wunderschönen Wiegenlied «Die ihr schwebet um diese Palmen» basierte die Cellostimme auf der bekannten Melodie «Josef, lieber Josef mein». Dem Trio gelang eine reife Interpretation.

Highlight
Ein kammermusikalisches Highlight erlebten die Zuhörer mit der mitreissenden Aufführung des Trios für Cello, Klarinette und Klavier, op. 3, von Alexander Zemlinsky (1871– 1942). Träumerische lyrische Passagen in melancholischer Grundstimmung wechselten mit erregenden Crescendi. Die wunderschöne Melodik («Andante») wurde feinfühlig ausgelotet. Die fesselnde Gestaltung dieses anspruchsvollen Werkes, das mit seiner thematischen Vielfalt und Virtuosität hohe Anforderungen stellte, löste begeisterten Schlussbeifall aus.

(Bericht: Ferdinand Ortner /Appenzeller Zeitung, 9. September 2008)

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