Konzert Giger und Dähler

Musik für Cembalo und Violine
23. Mai 2008
19:00 Uhr, Reformierte Kirche

Aufführende

Marie-Louise Dähler (Cembalo)
Marie-Louise Dähler begann ihre Ausbildung bei ihrem Vater Jörg Ewald Dähler am Konservatorium Bern und erweiterte sie bei Johann Sonnleitner an der Musikhochschule Zürich: Lehr- und Konzertdiplom mit Auszeichnung. Konzertiert als Kammermusikerin/Solistin mit verschiedenen Ensembles und unterrichtet in St. Gallen.

Paul Giger (Violine, Violino d'amore)
Paul Giger - erster Violinunterricht mit 8 Jahren. Lehr- und Solistendiplom an den Konservatorien Winterthur und Bern. 1980 bis 83 Konzertmeister im St. Galler Sinfonie-Orchester. Seither freischaffend. Konzertiert hauptsächlich mit eigenen Kompositionen. 5 CDs bei ECM München: Chartres, Alpstein, Schattenwelt, Ignis, Vindonissa.

Die beiden Musiker spannen einen Bogen von barocken Klängen über Eigenkompositionen bis hin zu spontan entstehenden gemeinsamen Improvisationen. Sie stellen die Welt von J.S. Bach ihrer eigenen Tonsprache gegenüber - und alles nimmt Einfluss aufeinander. Die scheinbare Gegensätzlichkeit von Instrumenten, Epochen und Stilen kann sich aufheben, was bleibt ist Musik, die direkt auf unsere Seelen zielt.
Paul Giger und Marie-Louise Dähler sind zwei aussergewöhnliche Musiker, deren brillante Technik und hohe Interpretationskunst nie im Dienste blossen Virtuosentums steht. Mit verblüffenden, ungewohnten Spielarten und Klängen erweitern sie ihre Ausdrucksformen, lassen diese aber nicht zum Selbstzweck werden. Die Musik dieser zwei Künstler kennt nur eine Richtung - die nach innen.

www.paul-giger.ch

Bericht Appenzeller Zeitung

Subtil und kreativ - Künstler-Duo Paul Giger (Violine) und Marie-Louise Dähler (Cembalo) konzertierte

Die Veranstalter der traditionellen «Konzerte in Rehetobel» warteten am Freitag mit einem hochinteressanten Musikevent auf: In der evangelischen Kirche konzertierte das renommierte Schweizer Künstler-Duo Paul Giger und Marie-Louise Dähler. Wer die beiden kennt, weiss, dass sie nicht – wie im Kulturbetrieb oft üblich – traditionelle Konzertprogramme vortragen und um Publikumsgunst buhlen. Nein, ganz im Gegenteil – sie eröffnen den Zuhörern auf ungewohnte, verblüffende Weise über kreative Eigenkompositionen und Improvisationen in der Gegenüberstellung ihrer Tonsprache zu Kompositionen verschiedenster Stile und Epochen eine neue Dimension des Musikverständnisses und -erlebens.

«Der Stille entgegen»
In Rehetobel verwoben sie unter dem Motto «Der Stille entgegen» ihre ideenreiche musikalische Kreativität und den individuellen Kompositions- und Interpretationsstil mit der barocken Klangwelt von J. S. Bach (1685– 1750). Das Duo präsentierte bei diesem Konzertabend, der an Publikum und Interpreten hohe Ansprüche stellte, vor allem die Musik aus der ersten gemeinsamen CD «Towards Silence» – das Ergebnis einer siebenjährigen Zusammenarbeit. Die atemlos lauschenden Zuhörer erlebten die kompakte, mehr als einstündige Non-stop-Vortragsfolge – von der exzellenten Akustik des Kirchenraumes begünstigt – in delikater Ausführung. Es war eine spannungsvolle, immer wieder überraschende Symbiose von bekannten Barockklängen und der vom Künstler-Duo Giger–Dähler individuell geprägten avantgardistischen Musik. Originell die Einstimmung ins abwechslungsreiche Programm durch eine aus dem Nichts auftauchende «Zäuerli»-Volksweise! Musikalische Basis der Vortragsfolge bildete die Sonate in f-Moll, BWV 1017, für Violine und obligatem Cembalo. Mit ihrer stimmungsvollen elegischen Melodik und kunstvollen Polyphonie stand sie im Austausch mit den freien Improvisationen und eigenen Kompositionen des Duos nur in scheinbarem Gegensatz zum modernen Musikstil des Duos. Diffizile Violin- und Cembalo-Soli – mit spieltechnischen Effekten versehen – wechselten in aufregender Folge und hielten Konzentration und Spannung wach. Beeindruckend die eigenwillig-herbe Tonsprache mit den klangmalerischen Akzenten und Effekten, der Transparenz der nahtlosen Dialoge und der rhythmischen Präzision!

Kongeniale Partner
Paul Giger überzeugte als Violinist – auch mit der fallweise verwendeten Violino d'amore (Violine mit 5 Saiten) – durch souveräne Virtuosität und intensiven musikalischen Ausdruck, seine kongeniale Partnerin Marie-Louise Dähler durch brillante Technik und seelenvolles Spiel. Die beiden sind künstlerisch-musikalisch ein Geist und eine Seele. Sie gingen sensibel aufeinander ein und trugen sich gegenseitig musikalisch «auf Händen», setzten aber auch persönliche Akzente. Die Zuhörer waren so tief beeindruckt, dass die Spannung am Schluss des Konzertes erst nach Augenblicken des Innehaltens wich und in lang andauernden Beifall mündete.

(Appenzeller Zeitung, 26. Mai 2008, Autor: Ferdinand Ortner)

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