Konzert Quartett - Quintett

Quartett-Quintettabend
23. September 2007
19:00, Evangelische-Reformierte Kirche

Aufführende

Streichquartett des St. Galler Ensembles
Ruedi Lutz, Klavier
Renate Steinmann, Violine
Christine Baumann, Violine
Susanna Hefti, Viola
Martin Zeller, Violoncello (Zuzüger)

Rudolf Lutz (* 1951) ist Dozent für Improvisation an der Schola Cantorum Basiliensis. An dieser Hochschule für Historische Aufführungspraxis unterrichtet er zusammen mit zwei Kollegen und einem Assistenten an die 35 Studentinnen und Studenten der Abteilung Tasteninstrumente. In Konzerten und Workshops ist er ein gefragter Spezialist für historische Improvisationspraxis. An der Musikhochschule Basel erteilt er das Fach Generalbass und an der Hochschule für Musik und Theater das Fach Oratorienkunde. In St. Gallen ist Rudolf Lutz langjähriger Organist der evangelischen Stadtkirche St. Laurenzen. Er leitet seit 1986 den Bach-Chor St. Gallen und das St. Galler Kammerensemble. Ausserdem ist Rudolf Lutz regelmässig als Klavierbegleiter tätig. 2006 wurde Rudolf Lutz zum künstlerischen Leiter der Bach-Stiftung St. Gallen berufen. Diese Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, das gesamte Vokalwerk Johann Sebastian Bachs zur Aufführung zu bringen.

Renate Steinmann schloss das Studium an der Musikhochschule Winterthur Zürich in den Fächern Violine und Viola bei Nora Chastain und Wendy Champney "mit Auszeichnung" ab. Danach besuchte sie Kurse in historischer Aufführungspraxis bei John Holloway und Thomas Hengelbrock. Ihre Ausbildung ergänzt sie mit Unterricht bei Elisabeth Wallfisch in London. Sie ist Konzertmeisterin des St. Galler Kammerensembles (Leitung Rudolf Lutz) und hat diesem Ensemble wesentliche Impulse im historischen Bereich gebracht. Mit Rudolf Lutz verbindet sie eine langjährige künstlerische Zusammenarbeit in der Orchesterarbeit, in der Chorleitung (als Assistentin im Bach- Chor St. Gallen) und im Duo Cembalo /Violine und neu Hammerflügel /Violine. Seit 2006 wirkt sie regelmässig als Konzertmeisterin bei der neu gegründeten Bach-Stiftung St. Gallen mit, die ebenfalls unter der künstlerischen Leitung von Rudolf Lutz steht. Renate Steinmann unterrichtet Violine, Viola und Kammermusik an der Kantonsschule Wettingen.

Christine Baumann studierte in St. Gallen bei Robert Bokor und an der Musikhochschule Luzern bei Ina Dimitrova. Neben ihrer Unterrichtstätigkeit an den Musikschulen Herisau und Degersheim wirkt sie in verschiedenen Orchestern und Kammermusikformationen mit, und widmet sich dem Spiel auf der Barockgeige. Sie ist seit Mai 2004 Stimmführerin der zweiten Violinen des St. Galler Kammerensembles.

Susanna Hefti wuchs in Zürich auf und besuchte daselbst die Schulen. Bei Christoph Schiller schloss sie ihre Studien anschliessend an der Hochschule für Musik in Zürich mit Viola ab. Schon während des Studiums beschäftigte sie sich auch mit historischer Aufführungspraxis. Susanna Hefti gehört heute zu den führenden Bratschistinnen und spielt in verschiedenen Schweizer Formationen mit. Am Opernhaus Zürich ist sie regelmässig Zuzügerin. Sie hat seit mehreren Jahren die Stimmführung Viola im St. Galler Kammerensemble inne und prägt dieses Orchester wesentlich auch im historischen Bereich. Sie ist auch Mitglied des neu gegründeten Ensembles Schola seconda pratica, das sich unter der Leitung von Rudolf Lutz der Aufführung des Bach'schen Kantatenwerks in Trogen widmet. In Zürich unterrichtet sie an der städtischen Musikschule eine Klasse für Violine und Viola.

Martin Zeller studierte Cello an der Musikhochschule Zürich sowie in London hei William Pleeth. An der Schola Cantorum Basiliensis studierte er Barockcello bei Christophe Coin und Viola da gamba hei Paolo Pandolfo. Er ist Solocellist im Kammerorchester Basel und spielte in diversen Spezialensembles für historische Aufführungspraxis: I Barrocchisti Lugano, I Sonatori della Gioiosa Marca, Orchestre Baroque de Limoges, Orchestre des Champs-Elysées. Paris. Er ist Kammermusikpartner von Christophe Coin und Guido Balestracci. Martin Zeller ist Dozent für Barockcello an der Musikhochschule Zürich Winterthur. und unterrichtet an der jährlichen Kammermusikakademie im Hindemith-Musikzentrum, Blonay (VD).

Programm

D. Schostakowitsch, Streichquartett Nr. 6 in G - Dur
„ Die Arbeit der Dichter lässt sich nur schwer kontrollieren. Und auch die Komponisten kann man kaum überwachen, sofern sie keine Opern und Ballette schreiben. Ein kleines Quartett kann man ganz für sich komponieren und mit Freunden in den eigenen vier Wänden spielen." (D. Schostakowitsch)

Dmitri Schostakowitsch (1906 - 1975) beschäftigte sich relativ spät und zunächst mit grossen Zeitabständen mit dem Medium Streichquartett, in späteren Jahren folgten seine Quartettkompositionen dann jedoch immer dichte aufeinander. Zeitlebens durch die russische Politik entweder mit Preisen überhäuft oder dann wieder gänzlich verdammt - man denke an Stalins Aufsatz „Chaos statt Musik" - litt er unter Repression, Angst und Kontrolle wie die meisten Künstler dieser Zeit. Das Streichquartett Nr. 6 in G komponierte Schostakowitsch in der Zeit vom 7. bis 31. August 1956. Seit Stalins Tod 1953 nahmen die schlimmsten Repressionen zwar ein Ende, doch die als „Tauwetter" bezeichnete Ära war lange nicht so mild, wie im Westen zuerst angenommen. Zudem verlor Schostakowitsch in dieser Zeit zwei seiner engsten Bezugspersonen: Seine erste Frau Nina wie auch seine Mutter, die ihn stets sehr unterstützte, starben.
Das Quartett wurde am 7. Oktober 1956 kurz nach Schostakowitschs 50stem Geburtstag in Leningrad, seiner Heimatstadt, uraufgeführt.
J. Brahms Klavierquintett op. 34 in f - moll

Als Johannes Brahms (1833 - 1897) sich 1862 von der Familie Roesing, bei der er seit gut einem Jahr in der Nähe von Hamburg eingemietet war, verabschiedete, um in die grosse Metropole Wien zu reisen, hinterliess er seinen Gastgebern einen musikalischen Abschiedsgruss: die ersten vier Takte des neu entstandenen Streichquintettes in f - moll. Dieses neue Werk hatte er an seine beiden Freunde, den Geiger Joseph Joachim und die Pianistin Clara Schumann gesandt, mit der Bitte, es zu prüfen und allfällige Kritik anzubringen. Joachim bezeichnete das Werk als „ein Stück von tiefster Bedeutung, voll männlicher Kraft und schwungvoller Gestaltung". Allerdings bemängelte er die Besetzung und kritisierte, dass die Streicher oft klanglich überfordert seien. Brahms bewog diese Kritik zur Umarbeitung des Werkes zu einer Sonate für zwei Klaviere, die er selber aufführte und erneut Clara Schumann zukommen liess. Brahms diskutierte mit ihr die Sonate und nahm alsbald eine erneute Umarbeitung zum Klavierquintett in Angriff. Er konnte nun die vorherigen Schwierigkeiten gänzlich beheben. Die geglückte Version konnte 1865 gedruckt werden.
Heutzutage gehört das Klavierquintett zum grossen Konzertrepertoire. Brahms schuf mit ihm eines seiner schönsten, auch pathetischsten Werke. Der Pianist Hermann Levi, ein Freund Clara Schumanns, urteilte denn auch treffend: „ Das Quintett ist über alle Massen schön; wer es nicht unter seinen früheren Firmen: Streichquintett und Sonate gekannt hat, der wird nicht glauben, dass es für andere Instrumente gedacht und geschrieben ist."

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