Konzert Bejamin Engeli

Klavierabend mit Benjamin Engeli
5. Mai 2007
20:00, Evangelische-Reformierte Kirche

Aufführende

Benjamin Engeli (*1978) zählt zu den herausragenden Schweizer Pianisten der jungen Generation. Als Preisträger zahlreicher nationaler und internationaler Musikwettbewerbe trat er in den meisten Ländern Europas, in Indien wie auch in Nord- und Südamerika auf. Er erhielt Engagements an grossen Musikfestivals wie Davos, Gstaad, Ludwigsburg, Luzern und Zürich, Klavierrezitals in Konzertsälen wie der grossen Tonhalle Zürich oder im Gasteig in München. Benjamin Engeli stammt aus einer Musikerfamilie, erhielt den ersten regulären Klavierunterricht aber erst als Fünfzehnjähriger bei Adrian Oetiker, bei dem er bis zu seiner Lehrdiplomprüfung an der Musikakademie Basel studierte. Ab Oktober 2000 wurde er in der Meisterklasse der Musikhochschule Zürich von Homero Francesch betreut, wo er 2003 mit dem Solistendiplom abschloss. Daneben erhielt er Unterricht bei Lazar Berman, Andrzej Jasinski, John O’Conor, Maurizio Pollini, Menahem Pressler und Gérard Wyss. Neben seiner intensiven solistischen Tätigkeit widmet er sich mit Begeisterung der Kammermusik, in jüngerer Zeit vor allem als Pianist des äusserst erfolgreichen Tecchler Trios, mit dem er schon zahlreiche Auszeichnungen erhielt.

Programm

Johann Sebastian Bach Chaconne in d-moll (1685 – 1750)
Arrangiert für Klavier, linke Hand alleine von Johannes Brahms

Ludwig van Beethoven Sonate in c-moll Nr.32 Op.111
(1770 – 1827)
* Maestoso
* Allegro con brio ed appassionato
* Arietta. Adagio molto semplice e cantabile

Johannes Brahms Sonate Nr.3 in f-moll Op.5
(1833 – 1897)
* Allegro maestoso
* Andante espressivo
* Scherzo: Allegro energico
* Intermezzo: Andante molto
* Allegro moderato ma rubato

Bericht Appenzeller Zeitung

Klaviersonaten brillant interpretiert - Der aufstrebende 29-jährige Schweizer Konzertpianist Benjamin Engeli bereicherte am Sonntagabend die Reihe der «Konzerte in Rehetobel 2007» mit einem delikaten Klavierabend.
Benjamin Engeli, international gefragter Konzertpianist und Kammermusiker (Tecchler Klaviertrio), stellte sich in Rehetobel mit einem sehr anspruchsvollen klassischen Solo-Programm als überzeugender Könner vor: musikalisch kompetent, technisch brillant und sympathisch-bescheiden im Auftreten. Er gebärdete sich bei aller Virtuosität nie als «Klaviertiger», sondern imponierte – die schwierigen Konzertstücke souverän auswendig spielend – als subtil gestaltender Künstler.

Bach, Beethoven, Brahms
Im stilvollen Ambiente der auch akustisch hervorragenden evang. Kirche kamen die hochkarätigen Werke von J. S. Bach (1685–1750), Ludwig van Beethoven (1770–1827) und Johannes Brahms (1833–1897) optimal zur Wirkung. So bot sich dem atemlos lauschenden Publikum auch die Möglichkeit eines Vergleiches der kompositorischen Ausdrucksformen vom Barock über die Wiener Klassik zur Spätromantik.
Der Pianist eröffnete den Abend mit einem exklusiven Bach-Opus, der «Chaconne in d-Moll», in einem hochinteressanten Klavier-Arrangement für die linke Hand von J. Brahms. Diese kunstvolle Variationenfolge mit prägnantem ostinatem Bass-Thema und polyphonem Geflecht der Stimmen spielte Benjamin Engeli transparent, technisch präzis und mit bemerkenswerter Ausdruckskraft.
Mit vollem Engagement und sehr aussagekräftig interpretierte er dann Beethovens letzte Klaviersonate, die Sonate in c-Moll, op. 111. Markant die zwei Satz-Gegenpole: das Kampf und Verzweiflung ausdrückende «Allegro con brio ed appassionato» und der Ruhe und Frieden verkündende Variationensatz.
Die visionäre Maestoso-Einleitung mündete in ein beherrschendes Hauptthema von gewaltigem Impuls und melodischer Prägung. Die dynamischen Steigerungen, den Wechsel erregender Passagen und Fugati mit erhellenden Momenten der Beruhigung, arbeitete der Künstler klar heraus. Im krönenden zweiten Satz zelebrierte Engeli die innige Melodik der «Arietta» sehr einfühlsam. Die fünf breit angelegten, klar strukturierten Variationen meisterte er dynamisch fein differenziert. Dabei gelangen die Doppelvariation Nr. 5 und das in lichte Höhen steigende Finale besonders wirkungsvoll.

Fulminanter Schluss
Mit der Brahms-Sonate Nr. 3 in f-Moll, op. 5, einem monumentalen Spitzenwerk der Klavierliteratur, erlebten die begeisterten Zuhörer einen fulminanten Schlusspunkt des Klavierrezitals. Hier lebte der Komponist seine ungebändigte Fantasie aus und erschloss neue Klangwelten mit wunderschönen Liedkantilenen und ausschweifender Harmonik. Benjamin Engeli gelang voll konzentriert eine spannungsvolle und mitreissende Aufführung mit tiefem musikalischem Gehalt.
Nach einem rhapsodischen Beginn im Kopfsatz zeichnete er im kantablen «Andante espressivo» ein zauberhaftes musikalisches «Nachtgemälde» mit impressionistischen Klangwirkungen und emotionaler Deutung. Im «Scherzo» kontrastierte der bäurisch-derbe Tanzrhythmus mit der edlen, chorisch gesetzten Melodik des Trios. Die tragischen Aspekte seelischer Erschütterung und Trauer kamen im eingeschobenen «Intermezzo» (vierter Satz) berührend zum Tragen. Bravourös gestaltet dann auch der vielschichtige Finalsatz mit der enthusiastischen Coda.
Der stürmisch akklamierte Solist bedankt sich mit der Zugabe einer virtuosen Bearbeitung des Schubertliedes «Wohin» von Sergej Rachmaninow.

(Autor: Ferdinand Ortner / Quelle: Appenzeller Zeitung, 8. Mai 2007)

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