Wahlveranstaltung der Lesegesellschaften

Öffentliche Wahlveranstaltung der Lesegesellschaften
28. März 2007
20:00 Uhr, Restaurant "Löwen"

Bericht Appenzeller Zeitung

Es darf (aus-)gewählt werden - In Rehetobel stehen spannende Wahlen bevor
In fast allen Behörden werden Sitze frei, und überall stehen mehr Kandidaten zur Verfügung als unbedingt nötig wären. Es darf also wieder einmal gewählt werden – im wahrsten Sinne des Wortes. Am Mittwoch fand die Wahlversammlung statt. Eine Trendwende? Vielleicht. Für die bevorstehenden Gesamterneuerungswahlen vom 22. April präsentiert sich der Rehetobler Stimmbürgerschaft auf jeden Fall eine komfortable Ausgangslage, was nicht selbstverständlich ist, sind doch zahlreiche Sitze zu vergeben. Die vier Lesegesellschaften Robach, Dorf, Kaien und Lobenschwendi haben sich «temporär» – wie es deren Sprecher Fredi Zuberbühler ausdrückte – zusammengeschlossen, um gemeinsam Kandidatinnen und Kandidaten zu portieren. Auch die FDP und die SVP erheben Ansprüche, sodass heuer ein richtiger Wahlkampf ausgebrochen ist. Obwohl alle Kandidierenden bereits in der Appenzeller Zeitung vorgestellt worden sind, war der Publikumsaufmarsch am Mittwochabend im «Löwen» beachtlich; rund 70 Personen drängten sich in die Gaststube.

Kantonsrat
Nach dem Wegzug von Erwin Sonderegger steht eines der drei Rehetobler Kantonsratsmandate zur Verfügung; die bisherigen Erich Straub (FDP) und Roger Sträuli (FDP) stellen sich zur Wiederwahl. Neu in den Kantonsrat einziehen wollen (in alphabetischer Reihenfolge) Thomas Frei (SVP), Judith Kaufmann und Willi Rohner, beide von den Lesegesellschaften portiert. Während sich Thomas Frei, Präsident der örtlichen SVP-Sektion, vor allem als Vertreter der jüngeren Rehetobler Generation sieht, will sich Judith Kaufmann, Krankenschwester mit frisch abgeschlossenem Studium in der Sozialarbeit, hauptsächlich Fragen der Jugendarbeit, Bildung und Gesundheit widmen. Jurist und ehemaliger Ausserrhoder Staatsanwalt sowie Obergerichtsschreiber Willi Rohner betonte ausdrücklich, nicht nur als Parteiunabhängiger zu kandidieren, sondern diesen Status auch bei einer allfälligen Wahl beizubehalten. Er habe verfügbare Zeit, die er für Rehetobel einsetzen wolle, nachdem man hier «bisher von mir noch nicht viel hatte».

Gemeinderat und -präsident
Gemäss revidiertem Gemeindereglement setzt sich der Gemeinderat neu aus sieben Mitgliedern zusammen, darin inbegriffen der Gemeindepräsident. Pius Steiner, Martin Zürcher, Ruedi Schmid und Erich Straub stellen sich als bisherige Gemeinderäte der Wiederwahl. Gemeindepräsident Heinz Meier hat demissioniert. Es müssen also drei Mitglieder und daraus der neue Gemeindepräsident, der künftig in einem 50-Prozent-Pensum arbeitet, bestimmt werden. Für das Gemeindepräsidium kandidieren Ueli Graf und Fritz Sieber. Ueli Graf, portiert von den Lesegesellschaften, verwies in seiner Vorstellung auf seine jahrzehntelange Tätigkeit in der Verwaltung, angefangen mit der Lehre auf der Gemeindekanzlei Rehetobel über das Gemeindekassier- bis hin zum Gemeindeschreiberamt, das er seit nunmehr 15 Jahren ausübt. Er kenne «Land und Lüüt», arbeite lösungsorientiert und könne seine grosse Erfahrung aus der bisherigen Tätigkeit einbringen. Übergangsmässig würde Ueli Graf bei einer Wahl bis Ende Jahr auch noch als Gemeindeschreiber amten, was rechtlich gesehen möglich sei, wie er eine entsprechende Frage beantwortete. Fritz Sieber ist der Kandidat der FDP. Da er sich nun aus dem aktiven Berufsleben zurückzieht, könne er seine ganze Schaffenskraft ins Amt eingeben, somit auch zu jeder Zeit verfügbar sein. Fritz Sieber war von 1997 bis 2001 als Gemeinderat tätig. Als Leiter Qualitätsmanagement, Produktion und Logistik eines Unternehmens mit 140 Angestellten bringe er viel Erfahrung aus der Wirtschaft mit und sei es gewöhnt, zielorientiert zu arbeiten. Fritz Sieber mit Jahrgang 1943 wurde gefragt, wie lange er sich als Gemeindepräsident im Amt sehe. 13 Jahre wie sein Vorgänger sicher nicht, aber sechs, sieben Jahre seien absolut denkbar, lautete die Antwort.
Als Gemeinderäte kandidieren Michael Görtz und Martin Schoch, Görtz von den Lesegesellschaften, Schoch von der SVP ins Rennen geschickt. Michael Görtz arbeitete im Asylwesen und war Geschäftsführer von Greenpeace Schweiz und Deutschland, bevor er nach Rehetobel zog und sich im Bereich Strategieentwicklung und Marketing selbständig machte. Martin Schoch ist in Rehetobel aufgewachsen, war selbständiger Bauer und während zehn Jahren «Sonnen»-Wirt. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern der örtlichen SVP und erhielt bei den letzten Wahlen beachtlich viele Stimmen, ohne kandidiert zu haben.

GPK, Vermittleramt
In der fünfköpfigen Geschäftsprüfungskommission verbleibt lediglich der Präsident Markus Gmür zur Wiederwahl. Um die vier frei werdenden Sitze bewerben sich fünf Personen, nämlich (alphabetisch) Jörg Burtschi (Lesegesellschaften), Reto Degen (FDP), Silvia Frischknecht (SVP), Jasmin Hug (Lesegesellschaften) und Willi Rohner (Lesegesellschaften), wobei darauf hingewiesen wurde, dass eine allfällige Wahl von Willi Rohner als Kantonsrat und als Mitglied der GPK rechtlich keine Fragen aufwerfe. Nur im Vermittleramt ergeben sich keine Änderungen; Amtsinhaberin Gabriela Gehr-Huber stellt sich der Wiederwahl.

(Monika Egli / In: Appenzeller Zeitung, 30. März 2007)

Lesegesellschaft Dorf, 9038 Rehetobel, michael@mrkunz.ch