Konzert für Geige und Harfe

Französische und russische Musik für Geige und Harfe
16. Februar 2007
19:00, Evangelische-Reformierte Kirche

Aufführende

Heather Cottrell wurde 1970 in Australien geboren und begann im Alter von 3 Jahren Geige zu spielen. Bereits mit 18 wurde sie Mitglied des Australian Chamber Orchestra. 1992 kam sie in die Schweiz, wo sie bei Prof. Igor Ozim und Eva Zurbrügg (Musikhochschule Bern) studierte. Es folgten weitere Studien bei Prof. Ana Chumachenco (Musikhochschule München) und beim Alban Berg Quartett (Musikhochschule Köln). Sie hatte Konzertmeisterstellen beim Sinfonieorchester Basel und bei Het Radio Kamerorkest (Kammerorchester des Niederländischen Rundfunks; Chefdirigenten: Frans Brüggen und Peter Eötvös) inne und ist seit 2005 Mitglied des Tonhalle-Orchesters, Zürich.

Mahalia Kelz ist Solo-Harfenistin des Luzerner Sinfonieorchesters und unterrichtet an der Musikschule der Musik-Akademie der Stadt Basel. Des weiteren ist sie Mitglied im Nouvel Ensemble Contemporain (Kammerorchester für zeitgenössische Musik) und im Sabeth Trio Basel (Flöte, Bratsche, Harfe). Zahlreiche Konzerte führten sie durch die Schweiz sowie nach Italien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Japan, in die Tschechische Republik und die USA. Regelmässig wird sie zu Musikfestivals und von Radio Suisse Romande eingeladen. Sie hat Meisterkurse in Frankreich und den USA gegeben. Mahalia Kelz hat am Conservatoire de Lausanne bei Chantal Mathieu studiert und mit Auszeichnung abgeschlossen. Dank zweier Stipendien folgte ein Studienaufenthalt bei Natalia Shameyeva an der Musik-Akademie Moskau. Unter ihren Auszeichnungen sind 1. Preise bei den internationalen Harfewettbewerben in Lyon (1993) und Namur, Belgien (1997). Sie erhielt 1995 die Louis-Spohr-Medaille der Stadt Seesen, der Geburtsstadt Spohrs, und gewann 1997 den Internationalen Musikwettbewerb Genf.

Programm

Romanze
Kommend von einer alten erzählenden Liedform in festgelegter Struktur wird die Romanze ab Mitte des 18. Jahrhunderts als Instrumentalstück zum Lied ohne Worte mit kantabler Melodik in ruhigem Zeitmass.
Gabriel Faure (1845-1924) Romance op. 28
Sergei W. Rachmaninoff (1873-1943) Romanze op. 4 Nr.5
Marcel Tournier (1879-1951) Prélude romantique No. 2 (op. 17)

Berceuse
Das französische Wiegenlied, ursprünglich im wiegenden 6/8-Takt, wird im 19. Jahrhundert in der Instrumentalmusik als Kunstform mit einer liedhaft-schlichten Melodie entdeckt und gepflegt.
Mili A. Balakirew (1837-1910) Berceuse
Gabriel Faure Berceuse op. 16
Maurice Ravel (1875-1937) Berceuse sur le nom de Fauré

Gebet und Orient
Vom französischen Prière über das jüdische-orientalische Totengebet Kaddish zur arabischen Melodie.
Gabriel Fauré En Prière
Maurice Ravel Kaddish
Alexander Glasunow (1865-1936) Melodie arabe

Fantasie
Die formale Indifferenz erlaubt der Fantasie die freie Entwicklung des musikalischen Vorstellungsvermögens (griech. phantasia = Vorstellung), im 19. Jahrhundert einerseits als Reaktion auf die Formstarre der Klassik und andererseits als Rückbesinnung auf die barocke Fantasie-Tradition mit spannendem Wechsel von festen und improvisatorischen Strukturen.
Camille Saint-Saëns (1835-1910) Fantaisie op. 124
Valeri Kikta (*1941) Fantasia über ein Thema von A. Varlamovs „Der rote Sarafan" (1998)
Gabriel Faure Fantaisie op. 79

Bericht Appenzeller Zeitung

Bezaubernde Geigen- und Harfenmusik - Gelungener Auftakt der «Konzerte in Rehetobel 2007» mit französischer und russischer Musik der Romantik
Rehetobel. Dass man nicht unbedingt bekannte Stars verpflichten muss, um genussvolle Konzerte zu erleben, bewiesen am Freitagabend beim Auftakt der heurigen «Rehetobler Konzerte» zwei in der Schweiz tätige ambitionierte Musikerinnen: die gebürtige Australierin Heather Cottrell (Violine) und die Deutsche Mahalia Kelz, Solo-Harfenistin des Luzerner Sinfonieorchesters.
Die beiden gestalteten im intimen Ambiente der akustisch hervorragenden evangelisch-reformierten Kirche von Rehetobel mit einem klug aufgebauten Programm französischer und russischer Musik der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert einen wirklich bezaubernden Konzertabend. Im Vordergrund standen Melodienseligkeit, Gefühl und Klangschönheit. Ein Ohrenschmaus sondergleichen!
Zum Publikumserfolg trugen neben den gefühlsintensiven Interpretationen und der reizvollen Gegenüberstellung der kulturell «seelenverwandten» romantischen Kompositionen aus Frankreich und Russland besonders auch die klanglich optimal zueinander passenden Saiteninstrumente Violine und Harfe wesentlich bei.

Exzellente Interpretinnen
Die beiden international aufstrebenden Künstlerinnen präsentierten sich als Instrumental-Duo von Format: spieltechnisch perfekt, homogen im Zusammenspiel, dynamisch musizierend und subtil gestaltend. Bemerkenswert, wie souverän und konzentriert sie das diffizile eineinhalbstündige Nonstop-Programm meisterten!
Die Violinistin Heather Cottrell – eine aparte Erscheinung mit sympathischer Ausstrahlung – beeindruckte die aufmerksamen Zuhörer mit wunderschönem Ton, brillanten Kadenzen und gefühlvollem Ausdruck.
Die versierte Harfenistin Mahalia Kelz überzeugte in den Soloparts und in den komplexen Begleitfunktionen durch Feingefühl und Klangsinnlichkeit. Sehr dankbar vermerkt wurden auch ihre treffenden Erläuterungen zu den vier Programmblöcken (jeweils drei Titel) «Romanze», «Berceuse» (Wiegenlieder), «Gebet und Orient» sowie «Fantasie».

Programm-Eckpunkte
Eckpunkte des Programms, welche die Darbietungen wie ein roter Faden durchzogen, waren Werke bzw. Bearbeitungen des Franzosen Gabriel Fauré (1845– 1924). Als weitere bekannte Komponisten schienen Camille Saint-Saëns (1835–1910), Maurice Ravel (1875–1937) und Sergei W. Rachmaninoff (1879–1951) auf.

Programm-Highlights
Zu Beginn des Abends führte die schwelgerische Romanze op. 28 von Fauré mit kantabler Melodik in eine bezaubernde gefühlsbetonte Klangwelt ein. Eine melancholische Rachmaninoff-Romanze mit transparentem Harfen-Satz, die innige Liebesmelodie des «Prelude romantique» von Marcel Tournier (1879–1951) und drei ausdrucksvolle Wiegenlieder (Geigensoli!) verdichteten die romantische Atmosphäre.
Als Highlights delikater Programmmusik beeindruckten dabei besonders ein zärtliches Wiegenlied von M. A. Balakirew (1887–1910) und die elegische «Berceuse sur le nom de Fauré» von Maurice Ravel.
Musikalische Kostbarkeiten waren auch das inbrünstige ariose «Gebet» von Fauré, das tief berührende orientalische «Kaddis» (Totengebet) von Ravel und die rhythmisch akzentuierte aufwühlende «Mélodie arabe» von Alexander Glasunow (1865–1936). Im Schlussteil des Konzertes vermochten sich die Künstlerinnen bei den sehr anspruchsvollen Fantasien mit den kontrastierenden Stimmungsbildern und den klangmalerischen Effekten noch einmal zu steigern.

Krönender Höhepunkt
Faszinierend die erregende Klangwelt und die technischen Raffinessen beim expressiven «Fantasi»-Satz von Valeri Kikta (geb, 1941)! Krönender musikalischer Höhepunkt war die grossartige «Fantasie», op. 124, von Camille Saint-Saëns. Bei dem begeisterten Beifall konnte eine Zugabe nicht ausbleiben.

(Ferdinand Ortner / In: Appenzeller Zeitung, 19. Februar 2007)

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