Konzert Barockmusik

Feierliches Adventskonzert mit Barockmusik für Trompete und Orgel
10. Dezember 2006, 17:00 Uhr,
Evangelische-Reformierte Kirche

Aufführende

Immanuel Richter (Jahrgang 1974) ist in Gossau SG aufgewachsen, wo er an der Musikschule seinen ersten Klavier- und Trompetenunterricht erhält. Nach der Matura (Kantonsschule SG) absolviert er das Lehr-, Orchester- und Konzertreifediplom (alle Diplome mit Auszeichnung) am Konservatorium Zürich bei Claude Rippas. Wichtige Impulse erhält er auch an verschiedenen Meisterkursen (u. a. bei Pierre Thibaud, Allen Vizzutti, Manu Melaerts, Jeffrey Segal, Juanjo Serna, Hakan Hardenberger, Maurice André). 1993 erster Preis am Schweizerischen Jugendmusikwettbewerb, 1997 Preisträger des Hegar-Preises des Konservatoriums Zürich sowie der Friedl-Wald-Stiftung (Basel).
Während der Saison 2003/2004 spielt Immanuel Richter für ein Jahr als stellvertretender Solotrompeter im Orchester des Opernhauses Zürich sowie als Solotrompeter im Sinfonieorchester St. Gallen. Seit Oktober 2004 ist Immanuel Richter Solotrompeter im Orchestra della Svizzera Italiana in Lugano. Zuzügerdienste als Solotrompeter in verschiedenen Orchestern (Sinfonieorchester Bern, Basel, St. Gallen, Orchestra Filarmonica della Scala di Milano), Engagements in Ensembles für avantgardistische wie auch antike Musik (Ensemble für neue Musik Zürich, Ensemble Phoenix Basel, Collegium Novum Zürich, „I Barocchisti“) sowie solistische Auftritte (mit Orchester oder als Duo mit Orgel) runden seine musikalischen Aktivitäten ab. Im November 2005 ist seine erste Solo-CD zusammen mit Rudolf Lutz an der Orgel erschienen.

Hans Jürg Bättig, aufgewachsen in Pfaffnau, studierte am Konservatorium Bern Orgel bei Heinz Balli und Klavier bei Michael Studer. Nach Erlangung der beiden Lehrdiplome setzte er seine Ausbildung an der staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart fort, wo er nach weiteren vier Jahren Studium bei Prof. Bernhard Haas das Solistendiplom für Orgel erwarb. Zusätzlich besuchte er mehrer Meisterkurse u. a. bei Marie-Claire Alain, Ludger Lohmann, Michael Radulescu, Jean Boyer und Harald Vogel. Neben der instrumentalen Ausbildung absolvierte Hans Jürg Bättig ein Studium für Orchesterleitung bei Thüring Bräm und Alois Koch an der Musikhochschule Luzern.
Hans Jürg Bättig ist Kirchenmusiker und Organist an der ehemaligen Klosterkirche St. Urban und an der Stadtkirche Zofingen. Neben einer reichen musikalischen Tätigkeit beschäftigt er sich seit einigen Jahren intensiv mit Rechtswissenschaft und hat diesen Sommer an der Universität Luzern den Master of Law erworben.

Programm

Das letzte Konzert im Saisonprogramm der Konzerte in Rehetobel steht ganz im Zeichen der Jahreszeit. Der in Gossau (SG) aufgewachsene Trompeter Immanuel Richter (Solotrompeter im Orchestra Della Svizzera Italiana in Lugano) spielt zusammen mit dem Organisten Hans Jürg Bättig ein barockes Adventskonzert u. a. mit Werken von Albinoni, Bach, Telemann.

Bericht Appenzeller Zeitung

Feine Klänge von der Empore - Adventskonzert mit klangschöner Barockmusik in der evangelischen Kirche in Rehetobel
Rehetobel. Zum letzten der «Konzerte in Rehetobel 2006» spielten die jungen Schweizer Instrumentalisten Immanuel Richter (Trompete) und Hans Jürg Bättig (Orgel) auf. Sie beschenkten ihr Publikum mit Kostbarkeiten italienischer und deutscher Barockmusik. Im stimmigen Ambiente der Orgelempore schufen Richter und Bättig mit dieser feinsinnigen Musik des 17. und 18 Jahrhunderts eine besinnliche Adventstimmung und regten die Zuhörerinnen und Zuhörer in der Hektik der Vorweihnachtszeit zum Innehalten und Nachdenken an.

Musikalische Perlen
Das Programm umfasste stilvolle Transkriptionen und subtile Bearbeitungen von Kompositionen bekannter Komponisten: klangschöne Musik für Trompete und Orgel, aber auch exquisite Konzertstücke für Orgel solo. Die Trompeten-Soli mit Orgelbegleitung waren durchwegs Arrangements von Orgelsolostücken, Streicher- und Holzbläserkonzerten sowie Melodien sakraler Vokalwerke («Laudate dominum», «Ave verum»). Denn Trompetenkonzerte – original aus der Barockzeit überliefert – sind relativ selten.
Den damaligen Komponisten waren bei der ventillosen Barocktrompete spieltechnische Grenzen gesetzt. Es stand ihnen nur die Tonskala der sogenannten «Naturtöne» zur Verfügung. Dies bedeutete eine empfindliche Einschränkung der kompositorischen und interpretatorischen Möglichkeiten.
Beeindruckend dann, wie virtuos und mit welch klangvollem, modulationsfähigem Ton Immanuel Richter schon beim einleitenden Trompetenkonzert in d-Moll, op. 9, von Tommaso Albinoni (1671–1750) die innigen Kantilenen und kunstvollen Koloraturen meisterte. Bemerkenswert die natürliche Phrasierung und die präzise Spieltechnik bei diesem Werk, das für Oboe komponiert worden war.

Reizvoller Kontrast
Natürlich kam ihm beim filigranen Figurenwerk der meisten Vortragsstücke die bewegliche Piccolotrompete entgegen, aber auch mit der «normalen» B-Trompete und dem Flügelhorn überzeugte er die Zuhörerschaft.
Von der nahtlosen Korrespondenz mit dem Organisten befruchtet, präsentierte er auch das Trompetenkonzert in B-Dur von Georg Philipp Telemann (1684–1767) mit den strahlenden Ecksätzen sehr wirkungsvoll. Im reizvollen Kontrast zum Hörgenuss des «Laudate dominum» und des «Ave verum» von Wolfgang Amadeus Mozart (1756– 1791) standen eine klangschöne, technisch anspruchsvolle «Toccata» von Giovanni Battista Martini (1706– 1784), die Melodie eines «Andante» von Giuseppe Tartini (1692– 1770) und – zum krönenden Abschluss des Abends – die festlich barocke Trompetenmusik «Trumpet Voluntary» von John Stanley (1713–1786).

Souveräner Organist
Organist Hans Jürg Bättig war ein sensibler Partner, der im nuancenreichen musikalischen Dialog wichtige Akzente setzte. Er bestach aber auch als Solist mit souveränem transparentem Spiel und musikalischer Gestaltungskraft.
Bei den jeweils dreisätzigen Choralbearbeitungen über «Nun komm der Heiden Heiland» von Johann Sebastian Bach (1685– 1750) und dessen Freund Johann Gottfried Walther (1684–1748) bewies er mit schlichter Registrierung und differenziertem Vortrag ebenso Kompetenz und Musikalität wie bei der lieblichen italienischen Flötenmusik aus «Dodici Sonate per organo» von G. Valery (1760– 1822). Den herzlichen Beifall quittierten die beiden Solisten mit dem in die Adventszeit passenden «Jesu, bleibet meine Freude» von Johann Sebastian Bach.

(Ferdinand Ortner, Appenzeller Zeitung vom 13. Dezember 2006)

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