St. Galler Kammerensemble

Konzert Kammerensemble St. Gallen
20. August 2006, 19:00 Uhr,
Evangelische-Reformierte Kirche

Aufführende

Leitung und Violine John Holloway
Renate Steinmann, Christine Baumann, Violine
Susanna Hefti, Viola
Maya Amrein, Violoncello
Markus Bernhard, Kontrabass
Rudolf Lutz, Cembalo

St. Galler Kammerensemble auf historischen Instrumenten

John Holloway gehört zu den führenden Barockgeigern und ist als Solist und Dozent international tätig. Seit 1970gründete er als Konzertmeister die London Classical Players und die Taverner Players. Neben Einspielungen von Vivaldis „L’estro armonico“ und den vier Jahreszeiten sind seine Aufnahmen von Händels Kammermusikwerk und insbesondere von Bibers Rosenkranzsonaten berühmt.
Seit 1999 hat John Holloway an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ in Dresden eine Klasse für Violine. im Herbst 06 wird eine Gesamtaufnahme der Solowerke für Violine von J.S. Bach erscheinen.

Programm

Pietro Locatelli (1695 – 1764)
Introduttione Teatrale IV für Streicher und Basso continuo
Allegro – Andante, sempre piano – Presto

Francesco Geminiani (ca. 1680 – 1762)
Concerto grosso “La Follia”
Adagio – Allegro – Adagio – Vivace – Allegro – Andante – Allegro – Adagio – Allegro – Adagio – Allegro

J. S. Bach (1685 – 1750)
Konzert in a – moll für Violine, Streicher und Basso continuo BWV 1041
1. (ohne Satzbezeichnung) – Andante – Allegro assai

Arcangelo Corelli (1653 – 1713)
Concerto grosso op. 6 Nr. VIII
Vivace – Grave – Allegro – Adagio – Allegro – Adagio – Vivace –
Pastorale ad libitum (Largo)

Georg Muffat (1653 – 1704)
Sonata II aus Armonico tributo (1682)
Grave – Allegro – Grave – Forte e allegro – Grave – Aria – Grave – Sarabanda – Grave – Borea

Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 – 1704)
Serenada für Streicher, Basso continuo und Nachtwächter
Serenada – Adagio – Allamanda – Aria – Ciacona – Gavotte - Retirada

Bericht Appenzeller Zeitung

Barockmusik mit Esprit zelebriert
Mit delikater Barockmusik in historischer Aufführungsmanier gestaltete der renommierte Violinsolist John Holloway mit dem St. Galler Kammerensemble von Rudolf Lutz am Sonntag das Sommerkonzert der traditionellen Rehetobler Konzertreihe.
Diese Aufführung war die Krönung einer Studienwoche unter Leitung dieses bekannten Barockgeigers und Experten für Alte Musik. Und tatsächlich erlebte ein aufgeschlossenes Publikum eine kammermusikalische Weihestunde mit Perlen virtuoser europäischer Barockmusik vor allem der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts. Das mit Barockinstrumenten ausgestattete und vom Solisten umsichtig geführte Kammermusikensemble beeindruckte nicht nur mit Spielkultur und interpretatorischem Feuer, sondern auch mit transparentem Zusammenspiel und berührender Ausstrahlung.
Die «St. Galler» gastieren seit der Gründung der «Konzerte in Rehetobel» im Jahre 1985 alljährlich hier.

Primus inter pares
Die solistischen Glanzlichter setzte als «Primus inter pares» vor allem John Holloway. Er setzte wesentliche musikalische Impulse und faszinierte mit ausdrucksstarkem Geigenton (Kadenzen) und beseelter Vortragskunst. Von den Zuhörern dankbar aufgenommen wurden auch seine Erläuterungen zum Programm.
Renate Steinmann und Christine Baumann (Violine), Susanna Hefti (Viola), Maya Amrein (Cello), Markus Bernhard (Kontrabass) und nicht zuletzt der souveräne Ruedi Lutz am Cembalo waren im solistisch besetzten «Concertino» (Solistengruppe) kongeniale PartnerInnen. Hervorgehoben seien auch der ausgewogene Streicherklang und das transparente Ensemblespiel des voll motivierten Kammerorchesters, das dem grossen Meister Holloway optimal assistierte.

Barockmusik vom Feinsten
Das abwechslungsreiche Programm bot eine erlesene Palette typischer europäischer Barockmusik: Concerti grossi italienischer Komponisten, ein Bach-Violinkonzert, eine Opern-Ouvertüre und «Ouvertüren-Suite» sowie eine galante «Serenada». Alles sehr kunstvolle Werke, von Geiger-Komponisten geschrieben!
Schon die einleitende Ouvertüre von Pietro Locatelli (1695– 1764) mit den fein gesponnenen «Allegro»-Ecksätzen und dem innigen «Andante» erblühte im Wechselspiel zwischen Solisten, Concerto und Tutti (Orchester) in transparenter Leichtigkeit.
Paradebeispiele effektvoller italienischer Streichermusik der Barockzeit erlebten die atemlos lauschenden Zuhörer vor allem beim wunderschönen «Weihnachtskonzert» (Concerto grosso, op. 6) von Arcangelo Corelli (1653–1713) und dem farbigen Concerto grosso in d-Moll, «La Follia» von Francesco Geminiani (ca. 1680–1762) – der Transskription einer Corelli-Sonate. Bei diesen spieltechnisch und rhythmisch anspruchsvollen Werken gefiel besonders die fein differenzierte dynamische Gestaltung der abwechselnd schnellen und langsamen Sätze. Sorgfältig herausgearbeitet waren auch die concertohaften Wechsel von Tutti und Soli in der klangschönen, im Corelli-Stil komponierten «Sonata II» von Georg Muffat (1653– 1704).

Bach-Violinkonzert
Mit subtiler Vortragskunst zelebrierte John Holloway das musikalisch hochkarätige Violinkonzert in a-Moll von J. S. Bach (1685 – 1750). Nach dem filigranen polyphonen Figurenwerk des Kopfsatzes erhob sich im «Andante» der berührende Gesang der Geige frei empor. Im Finale bestach der Solist mit exzellenter Virtuosität. Den humorvollen Abschluss des elitären Barockkonzertes in Rehetobel bildete die originelle «Nachtwächter»-Serenade des Wahl-Salzburgers Heinrich Ignaz Franz Biber (1644–1704). Bei der Interpretation dieser höfischen Programmmusik in Suiten-Form «verabschiedeten» sich die Musikerinnen und Musiker nach und nach wie bei der «Abschieds-Sinfonie 2 von J. Haydn. Doch der stürmische Beifall des Publikums animierte sie zu mehrmaliger Rückkehr und Entgegennahme der Ovationen.

(Appenzeller Zeitung, 23. August 2006, Ferdinand Ortner)

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