Liederabend "Die schöne Müllerin"

Liederabend "Die schöne Müllerin"
7. Mai 2006, 17:00 Uhr, Evangelische Kirche

Aufführende

Bariton: Samuel Zünd
Klavier: Theresia Schmid

Programm

Franz Schubert (1797-1828) - Die schöne Müllerin
Das zweite Konzert im Saisonprogramm der Konzerte in Rehetobel bestreiten Samuel Zünd, Bariton und Theresia Schmid, Klavier mit Schuberts Liederzyklus "Die schöne Müllerin" (nach Gedichten von Willhelm Müller).
In Schuberts Liednovelle wird vom Glück und Leid eines jungen Müllerburschen erzählt. Er kehrt auf der Wanderschaft in eine Mühle ein und findet die Liebe der schönen treulosen Müllerstochter. Diese verlässt ihn um des Jägers willen, der Müllerbursche macht seinem Leben im Mühlbach ein Ende. Freude und Schmerz äussern sich in einfachen, dem Volkslied nachempfundenen, oft strophischen Melodien.
Der Bariton Samuel Zünd und die Liedbegleiterin Theresia Schmid pflegen eine intensive Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Liedkunst. Ihr Repertoire umfasst die gesamte Zeitspanne der Gattung Kunstlied. Die beiden Interpreten konzertierten in Europa und den USA.

Bericht Appenzeller Zeitung

Lebendige Liedergestaltung - Bariton Samuel Zünd sang in der Kirche Schuberts «Schöne Müllerin»
Mit dem Liederzyklus «Die schöne Müllerin» von Franz Schubert schenkten der Bariton Samuel Zünd und seine Gattin, die Pianistin Theresia Schmid, dem Publikum am Sonntag im Rahmen der «Rehetobler Konzerte 2006» einen delikaten Kunstgenuss. Die reizvoll-diffizile Aufgabe, dieses weltberühmte Spitzenwerk der Liedkunst authentisch und mit berührender künstlerischer Akzentuierung zu interpretieren, löste das Künstlerduo mit überzeugendem Können. Samuel Zünd setzte seinen hell timbrierten lyrischen Bariton mit stimmlicher und interpretatorischer Souveränität ein. Er bewies makellose Pianokultur, aber auch kraftvolle Dynamik. Theresia Schmid am Flügel beeindruckte als konzentriert und sensibel mitgestaltende Partnerin – hellwach, einfühlsam und entsprechende pianistische Akzente setzend. Mit nuancenreichem Anschlag brachte sie im diffizilen Klavierpart das Essentielle der Seelenstimmungen und Naturvorgänge berührend zum Ausdruck. In der akustisch stimmigen Apsis der evangelischen Kirche zeichnete das Künstlerduo die oft als Liednovelle bezeichnete «Schöne Müllerin» als ergreifendes Bild vom Liebesglück und -leid eines Müllerburschen, der die treulose Geliebte an den Jäger verliert und in den Tod geht.

Liebe und Leid
Die in lyrische Selbstbekenntnisse aufgelöste «Ich-Erzählung» von unerfüllter Liebe – bestehend aus zwanzig Liedern mit volksliedhaftem Grundton – wirkte sehr unmittelbar und führte bei den Zuhörern zu tiefer Ergriffenheit. Schon bei den ersten, vom rauschenden Bächlein und drehendem Mühlrad erzählenden Liedern des sorglos wandernden Müllerburschen fühlte man sich angesprochen. In schlichter Schönheit erklang die «Danksagung an den Bach», die Begegnung mit der Müllerin. Von der realen Arbeitswelt des Müllers und dem Abendfrieden erfuhr man balladenhaft beim «Feierabend». Die wunderschöne Kantilene bei der Schicksalsfrage des Liebenden im «Ich frage keine Blume» und der stürmische Ausbruch der zurückgedrängten Gefühle im «Ich schnitt es gern in alle Rinden ein» waren Höhepunkte der Liedgestaltung. Reizvolle Idylle und heitere Schäferpoesie versprühten der «Morgengruss» und «Des Müllers Blumen». Im «Tränenregen» lockte die Magie der Wassertiefe. Das Glück («Mein!») war nur von kurzer Dauer. Sehr subtil gestaltet dann die Gesänge über die flatterhafte Geliebte und den glücklichen Rivalen.
Bei den markanten Liedern «Die liebe Farbe» und «Die böse Farbe» – einem letzten verzweifelten Aufbegehren – vermochten sich Sänger und Pianistin noch einmal zu steigern. In ergreifender Seelenmalerei zeichneten sie Bilder hoffnungsloser Niedergeschlagenheit und innerer Zerrissenheit. Besonders eindringlich wirkten auch das schlichte «Trockene Blumen» und der «Müller und der Bach». Mit «Baches Wiegenlied» – verklärender Todesmusik von geheimnisvoller Schönheit – beschloss das Künstler-Duo das genussvolle Konzert.

(Ferdinand Ortner, Appenzeller Zeitung, 10. Mai 2006)

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