Konzert "La Banda Lully"

Orchesterkonzert "La Banda Lully"
(Barockensemble des Luzerner Sinfonieorchesters)
17. März 2006, 19:30 Uhr, Evangelische Kirche

Aufführende

Künstlerische Leitung: Igor Karsko
Mezzosopran: Tanja Baumgartner
Violinen: Igor Karsko, Christa Zahner, Antje Hinke-Davis
Bratschen: Hans Jutz, Malin Feigenwinter
Violoncelli: Beat Feigenwinter, Gregor Albrecht
Kontrabass: Petar Naydenov
Oboe: Andrea Bischoff
Fagott und Gitarre: Markus Boppart
Cembalo: Paul Suits
Gast an der Harfe: Mahalia Kelz

La Banda Lully
Den Anfang nahm la banda Lully im Jahre 2004 anlässlich der Aufführung „Le Bourgeois Gentilhomme“ von Jean Baptiste Lully. Einige Musikerinnen und Musiker des Luzerner Sinfonieorchesters ließen sich darauf ein, ganz neue Wege des Instrumentalspiels zu gehen, historisch gebaute Instrumente zu erlernen und eine neue Klangkultur zu suchen. Die Begeisterung über diese musikalischen Erlebnisse weckte bei den Mitwirkenden den Wunsch, diese Entdeckungsreise weiter zu führen. Dank der Initiative von Igor Karsko konnte la banda Lully Wurzeln schlagen, und im Luzerner Theater sowie an verschiedenen Konzertorten auftreten. Im Mai 2006 wird la banda Lully im Luzerner Theater die Händel Oper „Oreste“ aufführen, für das nächste Jahr sind eine Oper von Vivaldi sowie weitere konzertante Auftritte geplant.

Tanja Baumgartner
Die Mezzosopranistin aus Südbaden studierte zunächst Violine in Freiburg im Breisgau, bevor sie in Karlsruhe eine Gesangsausbildung begann. Sie besuchte Meisterkurse bei Alexandrina Milcheva und Brigitte Fassbaender. Seit 1997 studiert sie bei Helena Lazarska und Alexandrina Milcheva. 2002 war sie Preisträgerin beim 18. Concorso Internazionale Valsesia Musica in Italien. In demselben Jahr gastierte sie als Rosina («Il barbiere di Siviglia») an der Wiener Kammeroper. Gastengagements führten sie zudem als Olga («Eugen Onegin») an die Opéra de Marseille und als Siebel («Faust») an das Theater Basel. Mit dem Orchestre national de Lyon brachte sie darüber hinaus die Missa da Requiem von Giuseppe Verdi zur Aufführung. Seit Herbst 2002 ist sie Ensemblemitglied am Luzerner Theater, wo sie bisher unter anderem als Dorabella («Così fan tutte») und als Maddalena («Rigoletto») zu sehen war.

Programm

Programm "Amare dolce lacrime"

1. Henry Purcell Hornpipe aus Fairy Queen (Orchester)

2. Jean Baptiste Lully Le Bourgeois Gentlihomme-Auswahl (Orchester, alle Nummern attacca)
- Marche
- Invocation burlesque
- Les Turcs
- Les Turcs IV Entrée

3. John Dowland Lacrymae Antiquae
G.F.Händel (G.B.Ferrandini) Il pianto di Maria -Cavatine “Giunta l’ora fatal” HWV-234
(Komponist G.B.Ferrandini, bis vor kurzem jedoch stets Händel zugeschrieben)
John Dowland Lacrymae Amantis
(Tanja Baumgartner, Igor Karsko, Antje Hinke, Christa Zahner, Hans Jutz, Gregor Albrecht, Petar Naydenov, Paul Suits)

4. Johann Hermann Schein Suite aus Banchetto musicale
- Padouana
- Gagliarda
- Courente
- Allemande
- Tripla
(Antje Hinke, Christa Zahner, Malin Feigenwinter, Hans Jutz, Beat Feigenwinter)

5. Mathew Locke The tempest (Auswahl)
- 1.Book - Gavot
- 4.Act Tune-A Marial Jigge
- 1.Act Tune-Rustic Tune
- 2.Music-Curtain Tune
- 2.Music-Lilk
(Orchester)

6. Heinrich Bach Kantate “Ach, dass ich Wassers gnug hätte“
(Tanja Baumgartner, Igor Karsko, Antje Hinke, Hans Jutz, Malin Feigenwinter, Beat Feigenwinter, Petar Naydenov, Mahalia Kelz, Paul Suits)

7. Arcangelo Corelli Triosonate
(Igor Karsko, Andrea Bischoff, Beat Feigenwinter, Paul Suits)

8. Henry Purcell “When I am laid…” aus Dido und Aeneas
(Tanja Baumgartner, Orchester)

9. Johann Joseph Fux Sonata a tre d-moll
-Allegro
-Grave
-Presto
-Grave
-Allegro
(Christa Zahner, Antje Hinke, Beat Feigenwinter, Paul Suits)

10. Andrea Falconieri Ciaccona
(Orchester)

Bericht Appenzeller Zeitung

Barocke Klangschönheit bezauberte
Auftakt der «Konzerte in Rehetobel» mit dem Barockensemble «La Banda Lully» des Luzerner Sinfonieorchesters
Am Freitagabend begann mit dem Auftritt des Luzerner Barockensembles «La Banda Lully» unter der künstlerischen Leitung von Igor Karsko und mit der Sopranistin Tanja Baumgartner eine neue Ära der traditionellen «Konzerte in Rehetobel».
Der neuen Musikkommission mit der Oboistin Andrea Bischoff, der Pianistin Claudia Heé und dem Trompeter und Komponisten André Maier ist der Einstand voll geglückt. Das Programm des Auftaktkonzertes in der evangelischen Kirche stand unter dem Motto «Amare dolce lacrime» (bittere süsse Tränen) und erfreute mit delikater Barockmusik namhafter europäischer Komponisten.
Die ambitionierten Musikerinnen und Musiker liessen diese musikalischen Kostbarkeiten aus dem 17./18. Jahrhundert in authentischer Interpretation mit historischen Instrumenten in dezenter Klangsinnlichkeit erstrahlen. Sie bereiteten damit den aufgeschlossenen Zuhörern eine berührende musikalisch-meditative Feierstunde.
Das in variablen Besetzungen – vom Quartett bis zum kleinen Orchester – spielende Barockensemble repräsentierte unter der behutsamen Führung des souveränen Primgeigers Igor Karsko mit technischer und rhythmischer Präzision sowie durch feinsinnige musikalische Ausstrahlung internationale Klasse. Das Publikum spürte auch, dass die Künstlerinnen und Künstler selbst von der wunderschönen Musik erfüllt sind und sich bei den subtil gestalteten Darbietungen engagiert einbrachten. Dabei setzten Igor Karsko, Andrea Bischoff (Oboe) und Tanja Baumgartner (Mezzosopran) die solistischen Glanzlichter.

Zwischen Freud und Leid
Die Programmauswahl stand dem Motto gemäss im Spannungsfeld zwischen Freud und Leid und erschloss reizvolle Klangwelten. Man hörte eine bunte Palette von Kompositionen zwischen heiter bis tief traurig, melodisch und harmonisch von religiösem wie höfischen Gepräge und bezaubernder Internationalität: Suiten, Triosonaten, Tanzstücke, Opern-Arien, Schauspielmusiken. Das homogene Orchester-Ensemble eröffnete den Abend mit einem schwungvollen altenglischen Volkstanz des Engländers Henry Purcell (1659 – 1695) und galanten höfischen Musikstücken des Franzosen Jean Baptiste Lully (1632 – 1687). Mit einem ergreifenden Klagelied von G. F. Händel (G. B. Ferrandini) – eingefügt zwischen zwei schlichte elegische Kompositionen («Lacrymae») von John Downland (1562 – 1626) – liess Tanja Baumgartner mit wohlklingender, dunkel timbrierter Stimme erstmals aufhorchen. Dichte Stimmung vermittelte eine fünfsätzige Suite aus «Banchetto musicale» des deutschen Komponisten Johann H. Schein (1586 – 1630). Bei der packenden Interpretation der Schauspielmusik von Mathew Locke (um 1630 – 1677) zu Shakespeares «The tempest» zog das Barockensemble alle Register.

Musikalische Highlights
Nach der Pause folgte dann ein Highlight nach dem anderen. Tanja Baumgartner «vergoss» in der ariosen Kantate «Ach, dass ich Wassers gnug hätte» von Heinrich Bach (1835 – 1915) – in Generalbass-Manier von einem Oktett einfühlsam begleitet – «bittere süsse Tränen». Sie brillierte auch in der «Klage-Arie» aus «Dido und Aeneas» von Henry Purcell mit Klangschönheit und beseeltem Ausdruck.
Ein Kabinettstückchen musikalischen Dialogs und spielerischer Virtuosität boten Andrea Bischoff (Oboe) und Igor Karsko (Violine) beim Vortrag der Triosonate des Italieners Arcangelo Corelli (1653 – 1713), wo sich auch der Cembalist Paul Suits und der Cellist Beat Feigenwinter auszeichneten.
Mit der springlebendigen, suitenartigen «Sonata a tre» des österreichischen Hofkapellmeisters Joh. Josef Fux (1660 – 1741) und der effektvollen Orchester-Fassung einer rhythmisch-markanten «Cicaccona» von Andrea Falconieri endete das exquisite Konzert unter begeistertem Beifall.

(Appenzeller Zeitung, 20. März 2006, Ferndinand Ortner)

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