St. Galler Kammerensemble

Barockkonzert "Allerley Humor"
13. November 2005
17:00 Uhr, Evangelisch-Reformierte Kirche

Aufführende

St. Galler Kammerensemble unter der Leitung von Rudolf Lutz

Bericht Appenzeller Zeitung

Barock mit «Allerley Humor»
Ruedi Lutz konzertierte mit dem St. Galler Kammerensemble in der reformierten Kirche Rehetobel
Die heuer letzte Aufführung der traditionellen Veranstaltungsreihe «Konzerte in Rehetobel» - dargeboten von Ruedi Lutz und einer kleinen Formation seines St. Galler Kammer- ensembles - konnten am späten Sonntagnachmittag die zahlreichen Zuhörer als bezaubernden Event fröhlicher barocker Musik erleben.
Ferdinand Ortner
Das Konzert in der reformierten Kirche in Rehetobel stand nicht nur im Zeichen eines originellen Programms, sondern auch von denkwürdigen Jubiläen und Anlässen. Es ist nämlich zwanzig Jahre her, dass der musikalische «Tausendsassa» Ruedi Lutz bei der Premiere der «Konzerte in Rehetobel» mitgewirkt hat. Seither konzertierte er hier jedes Jahr. In dieser Zeit haben Barbara Bischoff und Arthur Sturzenegger die Konzertreihe mit Engagement und Kompetenz bestens organisiert und betreut. Nun vollziehen sie einen gut vorbereiteten Generationenwechsel. Ihre Aufgaben übernehmen drei bekannte junge Musikerinnen und Musiker: die Oboistin Andrea Bischoff, die Pianistin Claudia Heé und der Trompeter und Komponist André Meier.
Beim sonntägigen Konzert würdigte Dr. Christian Lenggenhager, Präsident der veranstaltenden Lesegesellschaft Dorf Rehetobel, die Verdienste von Barbara Bischof und Arthur Sturzenegger und überreichte den beiden ein Geschenk.

Profane Barockmusik
Zum 20-Jahr-Konzertjubiläum in Rehetobel präsentierte Ruedi Lutz mit seinem exzellenten Streicherensemble unter dem Motto «Allerley Humor» mehrere kammermusikalische Kostbarkeiten und Raritäten der profanen Musik der Barockzeit. Dabei bewies er einmal mehr seinen Ideenreichtum in der Programmauswahl. Als «Spiritus Rector» des homogenen zehnköpfigen Streicherensembles mit der hervorragenden Konzertmeisterin Renate Steinmann (Violine) war er am Cembalo ein souveräner musikalischer Leiter, der alle Vortragsstücke treffend und humorvoll erläuterte. Das Barockmusikprogramm wurde von einem internationalen Komponistentrio geprägt: dem Norddeutschen Georg Philipp Telemann (1681-1767), dem Salzburger Hofmusiker Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) und dem Italiener Antonio Vivaldi (1678-1741). Sie waren mit mehrsätzigen Ouvertüren, Sonaten und einem «Concerto» vertreten - mit unterhaltsamer Programmmusik der höfischen Zeit. Eine bunte musikalische Illustration der «alten» und der «modernen» Deutschen, Schweden und Dänen, aber auch der jammernden «alten Weiber» boten Telemanns zehn kurze Tonstücke der «Ouverture des Nations anciennes et modernes». Sehr sauber musiziert waren die transparenten Streichersätze (Fugen).

«Kampfmusik»
Als modellhafte barocke «Kampfmusik» erlebten die animierten Zuhörer ein turbulentes mehrsätziges Werk von Heinrich I. F. Biber über das liederliche Leben der Soldaten. Wunderschön spielten dann die Solistin Renate Steinmann und das Ensemble das virtuos-melodiöse Concerto «Der Grossmogul» von Vivaldi. Deftige musikalische Farbtupfer offerierte die «Bauernkirchfahrt-Sonata» von Biber. Telemanns anspruchsvolle possenhafte «Ouverture burlesque» hatte ihre Highlights in den locker interpretierten heiter-neckischen Sätzen und der finalen türkischen Kriegsmusik. Als herzliche Dankabstattung an Barbara Bischof und Arthur Sturzenegger - und auch zur freudigen Überraschung des beifallfreudigen Publikums - spielte das Kammerensemble zum Konzertschluss eine Telemann-Sonata.

(Appenzeller Zeitung, 15.11.2005)

Lesegesellschaft Dorf, 9038 Rehetobel, michael@mrkunz.ch